Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266473
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Buch. 
Frührenaissance. 
gelehrten Apparat sammelt, das ächte Vorbild späterer philologischer 
Wissenschaft. Und dann wieder sehen wir ihn in öffentlichem Lehr- 
amte die Divina Commedia Dante's erklären, über die er auch einen 
Commentar geschrieben hat. Seine höchste Bewunderung aber, neben 
den Alten, gehört seinem geliebten Petrarca, den er einen wahrhaft 
himmlischen Menschen, das glorreiche Wunder seiner Zeit nennt. Und 
als sein verehrter Meister beim Hinscheiden in seinem Testamente dem 
Freunde fünfzig Goldgulden zu einem Winterkleide vermachte, um ihn 
bei seinen nächtlichen Studien zu erwärmen, rührte ihn dieser Liebes- 
beweis so tief, dass er mit zitternder Hand in einem ergreifend schönen 
Briefe seiner Empfindung Ausdruck gab. Er sollte seinen vergötterten 
Meister nicht lange überleben. 
Seine mit unsäglicher Mühe gesammelten Bücher vermachte 
Boccaccio dem Augustinerkloster von Santo Spirito, und hier war es, 
wo unter dem Vorsitz eines der angesehensten Ordensmitglieder, des 
Luigi Marsigli, sich die erleuchteten Geister von Florenz zusammen- 
fanden, um in einer gelehrten Verbindung, ähnlich der platonischen 
Akademie, sich in wissenschaftlichen Discussionen zu üben. Da sah 
man den ernsten gewaltigen Staatskanzler der Republik, Coluccio de' 
Salutati, der ebenfalls ein begeisterter Schüler Petrarca's war und zum 
ersten Male die klassische Formrömischer Redeweise in die Akten- 
Stücke des Staats übertrug. Bei ihm war der strenge Stil antiker 
Diction der Ausdruck einer ebenbürtigen Charaktergrösse, die ihn wie 
einen Republikaner des Alterthums erscheinen liess. Giangaleazzo 
Visconti piiegte von ihm zu sagen, Salutati habe ihm durch seine 
Staatsschriften mehr geschadet als tausend florentinische Reiter. Da 
sah man ferner den kleinen Diktator der Gelehrtenrepublik Niccolb 
Niccoli, den ein glühender Trieb nach der Weisheit der Alten erfüllte, 
und der, da er mittellos war, sich durch eigenhändiges Abschreiben den 
grössten Theil seiner Bibliothek erworben hatte. Wo es besonders 
wichtige Erwerbungen galt, half ihm freilich die Bank der Medici aus, 
die auf Anordnung des grossen Cosimo den Gelehrten für solche 
Zwecke stets zur Verfügung stand. Nicht weniger als achthundert 
Bände hatte er zusammengebracht, von denen bei seinem Tode etwa 
zweihundert ausgeliehen waren,  mit so edler Bereitwilligkeit gab er 
seine kostbaren Schätze seinen Freunden zur Benutzung preis. Mit 
ihm durch innige Freundschaft verbunden, war der Camaldrllenser- 
mönch und General des Ordens, Ambrogio Traversari, der die leiden- 
schaftliche Liebe zum Alterthum mit seinem Christenthum und seiner
        

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