Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266369
Kapitel. 
Epoche. 
Gothische 
219 
jetzt im Lateran zu Rom, den entschiedenen Rückgang seiner alters- 
schwach gewordenen Kunst. Im Museum zu Berlin sieht man unter 
N0. 5 eine Anbetung der Könige aus Antonids früherer Zeit, wo die 
Einwirkung des Gentile da Fabriano auf den ersten Blick hervortritt, 
nur dass die Farbe nicht so klar und goldig ist. 
Zu den letzten Ausläufern dieser älteren Richtung gehört endlich 
Jacopo Bellini. Wir hörten schon , dass er bei Gentile da Fabriano 
als Schüler eintrat und seinen Meister, dem er innig anhänglich war, 
nach Florenz begleitete. Nachdem er in Florenz ohne seine Schuld 
in unangenehme Collisionen mit den Behörden gerathen war, kehrte 
er nach Venedig zurück, wo wir ihn seit 1430 Wieder antreffen. In 
der Sammlung der Akademie sieht man ein mit seinem Namen be- 
zeichnetes Bild der Madonna mit dem Kinde in Halbiigur, das den 
Schüler Gentile's erkennen lässt. Wichtiger ist sein im britischen 
Museum zu London aufbewahrtes Skizzenbuch, das in seinen zahl- 
reichen Zeichnungen uns das Bild eines Künstlers entrollt, der günstige 
Einwirkungen von der lebensvolleren florentinischen Kunst empfangen 
hat, und im Sinne der neueren Zeit sich sogar dem Studium antiker 
Bildwerke hingiebt, ohne jedoch die Kraft und die wissenschaftliche 
Bildung zur gründlichen Neugestaltung seines Stiles zu besitzen. Nach- 
mals war er in Verona, sodann in Padua thatig, wo er mit seinen 
Söhnen eine Werkstatt hielt und seine Tochter Nicolosia (vor 1458) 
mit Andrea Mantegna verheirathete. Als sein älterer Sohn Gentile, 
dem er den Namen seines verehrten Meisters gegeben, sich 1464 in 
Venedig sesshaft machte, war Jacopo wahrscheinlich nicht mehr am 
Leben. Es bedurfte auch hier einer neuen Generation, um die grosse 
Umgestaltung der Kunst im Sinne des Naturalismus auch für Venedig 
durchzuführen. 
Werfen wir einen Rückblick auf diese Epoche, so werden wir 
dem ausserordentlichen Aufschwung und der glänzenden künstlerischen 
Thätigkeit unsre Bewunderung nicht versagen. Selbst abgesehen von 
zahlreichen untergegangenen oder noch unter der Tünche verborgenen 
Bildern, ist die Summe des Vorhandenen eine ganz erstaunliche. Man 
sieht darin eine Blüthe der Kunst, welche ohne den tiefen sympathischen 
Antheil der Nation nicht zu denken wäre. Die Kirche steht als mäch- 
tigstes Lebenselement fördernd und bestimmend an der Spitze der
        

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