Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266309
Kapitel. 
Epoche. 
Gothische 
213 
vor der Stadt auf ihn zurückführen. Seit 1420 liess er sich in Ürbino 
nieder, WO indess nichts mehr von ihm nachzuweisen ist. Dagegen 
malte er 1424 in der Kapelle des jetzigen Palazzo del Governo zu 
Foligno Scenen aus dem Leben der Madonna, welche den Beweis 
liefern, dass der Künstler, unfähig einer höheren Ausbildung, damals 
auffallende Rückschritte gemacht hatte. Als Ottaviano 1444 starb, 
war die Entwicklung der Zeit längst über diese Erzeugnisse einer ab- 
sterbenden Localkunst hinweggeschritten. 
Üngleich bedeutender, Wenngleich ebenfalls in alterthümlichel" 
Richtung verharrend, ist Gentile ola Fabriano, der bald nach 1360 
geboren sein mag und in der Einsamkeit seines Geburtsortes, der 
Gubbio gegenüber am östlichen Abhang der Apenninen liegt, von dem 
uns schon bekannten Allegretto Nuzi  198) seinen ersten Unterricht 
empfing. Auch auf ihn scheinen schon früh Einflüsse der Sienesen, 
namentlich des Taddeo di Bartolo, gewirkt zu haben; aber er bildet 
sich bald einen eignen Stil, der in der heiteren Klarheit eines blühen- 
den Kolorits, das auch bei ihm durch häufige Anwendung von Gold- 
schmuck noch mehr Glanz erhält, seinen Ausdruck findet. In dieser 
Farbenpracht, in der miniaturartigen Feinheit der Ausführung darf 
man ihn wohl mit Fiesole vergleichen, der sicher von ihm gelernt hat; 
in der künstlerischen Gesinnung dagegen herrschen grosse Gegensätze, 
denn wenn Fra Angelico die Gottinnigkeit des frommen Klosterbruders 
verräth, so athmen die Werke Gentile's die offene Weltlust eines 
glänzenden ritterlichen Lebens. Auch bei ihm sind die Grundzüge 
des Stils noch giottesk, die Köpfe haben eine süsse Holdseligkeit, die 
Gewänder einen weichen idealen Linienschwung; aber er wird doch 
stärker als seine Landsgenossen von der neuen Bewegung der Zeit 
ergriffen und spricht dieselbe in manchem lebensvollen der Wirklich- 
keit abgelauschten Zuge aus. 
Sein äusseres Leben verläuft in einem bewegten Scenenwechsel, 
denn er arbeitete schon im Anfange des 15. Jahrhunderts in Brescia 
für Pandolfo Malatesta und wurde dann nach Venedig berufen, wo er 
den grossen Saal des Dogenpalastcs mit Gemälden zu schmücken hatte. 
Von allen diesen Werken sowie 'v0n mehreren damals entstandenen 
Altarbildern ist nichts auf uns gekommen. Dagegen ist der Einiiuss 
seiner Arbeiten in der venezianischen Kunst deutlich zu spüren, wie 
denn Jacopo Bellini sein Schüler ward und auch Antonio Vivarini 
stark von seiner Richtung berührt ist. Jacopo nahm er sogar mit 
nach Florenz, wo er 1421 in der Gildenrolle auftritt und bis 1424
        

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