Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266289
Kapitel. 
Epoche. 
Gothische 
211 
besten gelingen dem Künstler die gemüthlichen Scenen, wie die Geburt 
der Maria und die Kindheit Christi im elterlichen Hause, die mit 
idyllischem Behagen geschildert sind. Ohne grade hervorragende Be- 
deutung gehören diese Arbeiten doch zu den anziehenderen der Epoche. 
Im 15. Jahrhundert hat eine theilwßiSe Uebßrmalung an der östlichen 
Hälfte der rechten Wand stattgefunden. 
Die prachtvollen Goldmosaiken, welche der Faeade des Doms 
einen unvergleichlichen Glanz geben, sind in späteren Zeiten erneuert 
worden; aber in wie vielfacher Uebung die Wandmalerei dort gepflegt 
wurde, bezeugen namentlich zahlreiche Votivgemälde in der Kirche 
S. Giovenale, die ebenfalls zwischen sienesischen und florentinischen 
Einflüssen schwanken. 
Am wenigsten leistet in dieser Epoche Rom. Durch die unab- 
lässigen Fehden der Adelsgeschlechter verwüstet, durch das avigno- 
nische Exil der Päpste (1309-1377) verödet, sank die" ewige Stadt 
immer tiefer herab, und die phantastische Republik des Cola di Rienzii 
war eben so wenig im Stande, dauernd bessere Zustande zu schaffen 
und dem Leben eine feste Basis für höhere Kulturentfaltung zu geben. 
Bezeichnend ist jedoch, dass Rienzi mehrmals die Malerei zu politischen 
Zwecken verwendete. So liess er am Capitol ein stürmisch bewegtes 
Meer darstellen, auf welchem ein seiner Maste beraubtes Schiff dem 
Untergange entgegentrieb. Auf dem Verdeck kniete handeringend lmit 
aufgelöstem Haar Roma in Trauerkleidern, während man in den Fluthen 
mehrere gesunkene Schiffe sah, welche die Namen Babylon, Troja, 
Carthago, Jerusalem trugen. Eine Inschrift verkündete, dass diese durch 
Ungerechtigkeit zu Grunde gegangen seien. Um aber dem Volke 
anzudeuten, dass die römischen Barone durch ihre Gewaltthaten den 
Untergang der Stadt' verschuldeten, schwammen neben der Roma 
allerlei Thiere, welche den Sturm anfachten und deutliche Anspielungen 
auf hervorragende Personen des römischen Adels trugen. Man erkennt 
daraus wenigstens, welch mächtige Wirkung auf das Volksgemüth man 
damals der Kunst zuschrieb.  
Den Abschluss unsrer Betrachtung dieser Epoche machen einige 
Künstler, die ihrer Zeitstellung nach dem 15. Jahrhundert angehören, 
in ihrer Anschauung und Stilrichtilng aber noch völlig mittelalterlich 
sind. Sie gehören den abgelegeneren Gegenden Umbriens und Ober- 
italiens an, wohin die neue naturalistische Entwicklung nur langsam 
drang, so dass sie mitten in einer bereits von andern Tendenzen er- 
füllten Zeit wie ein Anachronismus erscheinen. In der stillen religiösen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.