Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266262
Kapitel. 
Epoche, 
Gothische 
209 
darunter namentlich einen Gekreuzigten zwischen Maria und J ehennes 
über dem nördlichen Portale, vom Jahre 1363 und eine umfangreichere 
Kreuzigung über dem westlichen Eingange, die wiederum durch kräf- 
tigeres Kolorit sich auszeichnet. 
Von den übrigen Städten Italiens tritt nur Orvieto mit einer 
gewissen Rührigkeit des malerischen Betriebes uns entgegen, Gegen 
Ausgang des 13. Jahrhunderts begann man in dieser keineswegs mäch- 
tigen oder reichen Stadt, die so malerisch von ihrem steil aufragenden 
Felsen in die Waldschluchten des umgebenden Gebirges schaut, mit 
einem Umbau des Domes, welchen die Behörden in einem Aktenstück 
als „Ehre, Zierde und leuchtenden Spiegel der "Stadt" bezeiehnen 
Damit erstand hier eine plastische und malerische Thätigkeit, für 
welche man grösstentheils sienesische Künstler herbeizog. Nicht bloss 
Giovanni Pisano mit zahlreichen andern Bildhauern war an den Skulp- 
turen der Facade betheiligt, sondern auch bedeutende Maler wie Simon 
von Siena und später Orcagna wurden herbeigerufen, zum Theil um 
die prachtvollen musivischen Bilder auszuführen, deren Glanz, aller- 
dings in späterer Erneuerung, noch jetzt von der steilen Höhe herab 
schon aus der Ferne dem Wanderer entgegenleuchtet. Ebenso fehlte 
es nicht an reicher Ausstattung mit Glasgemalden, die das mächtige 
viertheilige Fenster der östlichen Chorwand schmücken. Dazu kommen 
zwei grosse Cyclen von Wandgemälden, der eine in der Kapelle des 
S. Corporale, inschriftlich 1364 von einem Meister Ugolino aus Orvieto 
vollendet. An der Fensterwand zieht sich eine grosse Darstellung der 
Kreuzigung hin, darunter rechts die Auferstehung, links die Grab- 
legung, letztere besonders von jinnigem Ausdruck. An der rechten 
Wand ist das Wunder von Bolsena geschildert, welchem der grossartige 
Bau des Doms seine Entstehung verdankt. Der Priester, der am 
Altare durch die blutende Hostie von seinem Unglauben bekehrt wird 
(bezeichnend genug ist es ein deutscher Kleriker, dem die Legende 
solchen Skepticismus aufbiirdetl), berichtet das Wunder reumüthig dem 
Papst, der von seinen Kardinälen umgeben ihm Absolution ertheilt. 
Dieser befiehlt dem Bischof die Uebertragung der wunderbaren Hostie. 
In der zweiten Bildreihe wird geschildert, wie der Bischof in demü- 
thiger Verehrung das Corporale empfängt und dasselbe in feierlicher 
Prozession einholen lässt. In der dritten Reihe wird es dem Volke 
gezeigt, und der Papst befiehlt dem Thomas von Aquino ein Gebet 
für die ganze Christenheit zu verfassen. An der linken Wand werden 
sodann zahlreiche Wunder erzählt, die sich mit der heiligen Hostic 
Liibke, Italien. Malerei. I. 14
        

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