Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266249
Kapitel. 
Gothische 
Epoche. 
207 
im Jahre 1379 dem Meister Altichiero die Summe von 792 Dukaten 
für seine Malereien auszahlte. Diese Zahlung kann sich nur auf die 
Cappella S. Felice, oder wie sie damals hiess S. Jacopo beziehen. Wir 
dürfen also wohl annehmen, dass der Meister dort als jüngeren Ge- 
nossen den Jacopo d'Avanzo verwendete, und dass diesem dann die 
Ausmalung der Georgskapelle übertragen wurde, bei welcher jedoch, 
wie man deutlich sieht, eine geringere Hand mitwirkte. Ob Jacopo 
mit dem in Bologna auftretenden Maler desselben Namens identisch 
ist, scheint mehr als zweifelhaft, da dieser ein untergeordneter noch 
im Byzantinismus befangener Maler war. 
Ein weiterer bedeutender Gemäldecyclus wurde zwischen den 
Jahren 1378 und 1393 von der Gemahlin des Beherrschers der Stadt, 
aus dem Hause Carrara, im Baptisterium beim Dom gestiftet. Es 
ist einer der umfangreichsten malerischen Cyclen der Zeit. Der inter- 
essante kleine Raum besteht aus einem Quadrat von etwa 35 Fuss, 
überwölbt mit einer über vier Rundbögen mit Zwickeln aufsteigenden 
Kuppel, daran stossend ein ebenfalls quadratischer Altarraum mit klei- 
nerer Kuppel. Das Ganze ist mit Fresken bedeckt, die noch einen 
Nachklang giottesken Stils verrathen, zwar ohne bedeutende Tiefe der 
Auffassung, aber in der kräftigeren Farbenwirkung den eben betrach- 
teten Werken verwandt. Diese Arbeiten sind trotz ihrer künstlerischen 
Schwäche Werthvoll, weil sie den kirchlichen Gedankenkreis des Mittel- 
alters mit grosser Ausführlichkeit schildern. Das Centrum der Kuppel 
nimmt die kolossale Halbiigur Christi ein, umgeben von den Kreisen 
der himmlischen Heerschaaren, der Apostel und Propheten, Kirchen- 
vater, Märtyrer und anderer Heiligen, in der durchgeführten Rang- 
ordnung christlicher Hierarchie. Üeber dem auf der Grenze der Apsis 
errichteten Altar durchbricht aber die kolossale Figur der Madonna- 
diese Reihen, bis dicht an Christus heranreichend, und die Hände zu 
ihm erhebend. An den Zwickeln der Kuppel sind die EvangeliSfßn 
dargestellt, von je zwei Propheten in Brustbildern begleitet, darüber 
am Tambour der Kuppel die Geschichten des alten Testaments, an 
den unteren Wänden Seenen aus dem Leben Christi und Johannes des 
Täufers, im Altarraum endlich die Apokalypse mit dem neuen Jeru- 
salem. Das Ganze ist wohl durchdacht, verstandig angeordnet und 
klar gruppirt, Zeichnung und malerische Ausführung dagegen verrathen 
einen mittelmässigen, hinter der Zeit zurückgebliebenen Künstler. 
Üeber den Meister dieses Werkes sind die Nachrichten getheilt; 
der Anonymus des Morelli, der bekanntlich im Anfang des 16. Jahr-
        

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