Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266234
206 
Buch. 
Das Mittelalter. 
Festigkeit vor dem Prätor ihr christliches Bekenntniss ablegt und zum 
Tode verurtheilt Wird. Von grosser dramatischer Kraft ist die folgende 
Scene, wo sechs Stiere vergeblich angetrieben werden die Heilige 
zum Richtplatz zu schleifen. Das schöne Antlitz mit dem Ausdruck 
innigen Gottvertrauens erhoben, steht sie mit gefalteten Händen da, 
während Henker und Soldaten sich vergeblich bemühen die Stiere 
anzutreiben und die Heilige vorwärts zu schieben. Voll Staunen sieht 
die Menge zu, und selbst der auf dem Balkon des Palastes erscheinende 
Prätor wird davon ergriffen. Endlich wird ebenso vergeblich die Flamme 
und darauf siedendes Oel gegen sie versucht, bis zuletzt ein Dolch- 
stoss ihr Martyrium vollendet. Auf dem Schlussbilde sieht man, wie 
Kreuzigung in der 
Giorgio zu Padua. 
die Sterbende durch das Abendmahl erquickt und wie ihr Leichnam, 
auf dem Katafalk ausgestellt, von der frommen Menge verehrt wird. 
In diesen Scenen namentlich hat der Maler in koloristischer Durch- 
bildung und in feiner perspektivischer Abtönung eine Höhe erreicht, 
dass kaum noch ein weiterer Schritt zur vollendeten Naturwahrheit des 
15. Jahrhunderts übrig scheint. Auch in der grossen Darstellung der 
Kreuzigung an der Altarwand ist durch Reichthum und Schönheit der 
Composition und durch Innigkeit der Empfindung, namentlich in der 
Gruppe der ohnmächtigen Maria mit den sie unterstützenden Frauen, 
eine bewunderungswürdige Höhe erreicht. (Fig. 75.) 
Ueber den Urheber dieser Malereien scheint eine Inschrift Aus- 
kunft zu gewähren, welche bei der Legende der h. Lucia den Namen 
des Avanzo ergab; die Urkunden bezeugen indess, dass Bonifazio Lupi
        

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