Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266229
III. 
Kapitel. 
Epoche. 
Gothische 
205 
Votivbild, welches die sehr zahlreiche Familie des Stifters, von ihrem 
Schutzheiligen empfohlen, vor der Madonna knieend darstellt. 
Alle diese Bilder zeigen grosse Üebereinstimmung mit den Ar- 
beiten des jüngeren Meisters aus der Felixkapelle. Wohl ist auch hier 
die Grundlage des giottesken Stiles vorhanden, aber wenngleich nicht 
so tief ergreifend wie Giotto, weiss der Künstler doch durch die reichere 
Ausbildung des individuellen Lebens, durch freiere Entfaltung der 
linearen, ja sogar der Luftperspektive, durch weichere Formen und 
vollere Modellirung der Gestalten, endlich durch ein tieferes, reicher 
abgestuftes, in satten Tönen durchgeführtes Kolorit zu fesseln. Dazu 
kommt, dass hier wie in der Felixkapelle Alles in wirklichem Fresko 
ausgeführt ist. Besonders die Geschichten der h. Lucia sind schön 
und voll Leben, reich an naturwahrer Charakteristik, die legendarischen 
Scenen mit anziehender Frische erzählt, mit reicher Anwendung archi- 
tektonischer Gründe, die in richtiger perspektivischer Zeichnung dar- 
gestellt sind und geschickt benutzt werden, um Nebenscenen der Haupt- 
ereignisse aufzunehmen. 
Die Geschichten des h. Georg an der Ostwand beginnen mit dem 
Kampf gegen den Drachen, welchen der Heilige siegreich besteht, 
worauf er den libyschen König zur Annahme des Christenthums be- 
wegt. Es folgt die feierliche Scene, wie der h. Georg den König 
sammt den Seinen tauft, eine bei allem Reichthum durch edle Klarheit 
ausgezeichnete Composition. Man sieht dann, wie der Heilige, durch 
Diocletian verurtheilt, den Giftbecher trinkt, aber durch göttlichen 
Beistand am Leben bleibt. Ebenso vergeblich wird der Tod des Rades 
gegen ihn versucht, denn Engel zerschmettern das Bad, so dass die 
Stücke desselben die Henkersknechte zu Boden strecken. Als sodann 
auf das Gebet Georg's sogar die Heidentempel mit ihren Götzenbildern 
zusammenbrechen, wird er durch das Schwert enthauptet, eine Compo- 
sition von etwas gleichgültigerem Charakter. 
Gegenüber an der Westwand sieht man die Legende der h. Ka- 
tharina, wie sie den heidnischen Göttern ihre Verehrung weigert, dann 
die zu ihrer Belehrung herbeigerufenen Weisen widerlegt und deren 
Bücher den Flammen opfert; wie man sie vergeblich gleich dem 
h. Georg durch das Rad hinzurichten sucht, bis endlich das Schwert 
des Scharfrichters sie tödtet. Diese leider stark beschädigten Bilder 
sind grossentheils von anziehender Lebendigkeit, werden aber von den 
an der untern Hälfte derselben Wand ausgeführten Scenen aus der 
Legende der h. Lucia noch übertroffen. Man sieht zuerst, wie sie mit
        

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