Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266210
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B uch. 
Mittelalter. 
Das 
wird. Den Abschluss des Cyclusubilden zwei grosse Gemälde an der 
Ostwand mit den Wunderthaten des Heiligen, der dem Könige im 
Traum erscheint und ihn zum Kampf mit den Saracenen auffordert. 
Dann sieht man den Sieg über die Ungläubigen, wobei der Apostel 
auf den Mauern der feindlichen Stadt erscheint und sie zerstört. An 
der südlichen Wand malte sodann derselbe Künstler das grosse Bild 
der Kreuzigung, zwar etwas locker und episodenhaft komponirt, aber 
reich an ergreifenden Schönheiten. (Fig. 74.) Bemerkenswerth ist 
namentlich der ganz neu auftretende Gedanke, dass der Künstler die 
von dem Schauspiel heimkehrende Menge darstellt, wobei er Gelegen- 
heit findet das Nachzittern des erschütternden Ereignisses in bedeutungs- 
vollen Zügen zu schildern. Das höhere Lebensgefühl, die weichere 
Durchbildung der Formen, der Sinn für feinere Anmuth und die voll- 
kommenere koloristische Entfaltung verleihen diesen Werken einen 
hohen Werth. 
Ein zweiter nicht minder bedeutender Cyclus befindet sich in 
der Cappella. S. Giorgio, welche neben dem Santo gelegen und von 
Raimundinus, einem Bruder des 'Marchese Bonifazio de' Lupi, 1377 
gestiftet wurde. Nach dem Tode des Stifters, der schon zwei Jahre 
darauf erfolgte, brachte sein Bruder den Bau zur Vollendung. Es ist 
ein Rechteck von etwa 85 Fuss Lange, bei 30 Fuss Breite, das ähn- 
lich der Madonna dell' Arena mit einem Tonnengewölbe bedeckt ist. 
Der ganze grosse Raum erhielt an den Wänden und Decken und selbst 
an den F ensterlaibungen ausgedehnte Fresken, die nicht bloss eins 
der umfangreichsten, sondern auch eins der edelsten Monumentalwerke 
der gesammten mittelalterlichen Kunst ausmachen g). Gegenüber der 
Eingangswand ist auch hier die Kreuzigung Christi, aber in grösserer 
Ausführlichkeit und mit Hinzunahme der beiden Schächer dargestellt. 
Darüber sieht man die Krönung Maria. Auf der Eingangswand sind 
fünf Bilder aus dem Leben der Maria und der Kindheit Christi dar- 
gestellt. Ünd zwar die Verkündigung, die Geburt Christi, die An- 
betung der Weisen, die Flucht nach Aegypten und die Darstellung im 
Tempel. Auf den beiden Seitenwänden sind sechs Scenen aus der 
Geschichte des h. Georg und je vier aus dem Leben der h. Katharina 
und der h. Lucia vorgeführt. Den Abschluss macht hier ein grosses 
k) Ernst Förster hat das grosse Verdienst, diese bedeutenden Werke wieder 
entdeckt und vor dem Untergange gerettet zu haben. Vgl. seine schöne Publikation: 
Die S. Georgskapelle zu Padua. Berlin 1841. F01. Mit Abbildungen.
        

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