Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266190
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Buch. 
Biittelalter. 
Das 
gegen den Gottesmann zu schmieden. Im zweiten Bilde ist dieser 
zurückgekehrt und weist die Ketzereien seiner Widersacher siegreich 
ab. Man sieht ihn auf der Kanzel zu einer grossen VGTSaIDmlung 
reden, in Welcher der Künstler das gespannte Aufhorchen und die 
verschiedenen Stimmungen gläubiger Ergriffenheit und zweifelvollen 
Nachdenkens lebendig geschildert hat. Im dritten Bilde vollzieht sich 
die Bestrafung der Ketzer, die sammt ihrem Anhange den Dämonen 
überliefert werden. An der südlichen Wand wird nun geschildert, wie 
die Teufel ihre Beute wieder heraus geben müssen. Das Evangelium 
trotzt siegreich den Flammen, die Irrlehrer bekehren sich und lassen 
sich taufen, die Juden aber in höchster Empörung rotten sich gegen 
den Apostel zusammen, der ruhig und siegesgewiss ihnen gegenüber 
tritt; Sodann folgt, im Mittelfeld über der Kreuzigung, das Martyrium 
des Heiligen, der zum Richtplatz geführt und enthauptet wird, nach- 
dem er unterwegs noch einen Gichtbrüchigen geheilt hat. Nun sieht 
man, wie seine Anhänger den Leichnam in ein Schilf bringen, welches, 
während sie schlafen, durch die Leitung Gottes sie nach Spanien führt. 
An's Land gestiegen wenden sie sich zu einem am Ufer aufragenden 
Schlosse, um von der Herrin desselben, der Gräfin Lupa, die Auf- 
nahme des heiligen Leichnams zu erbitten. In ergreifender Weise 
wird erzählt, wie die Jünger des Apostels den auf einem Leintuch 
getragenen Leichnam auf einen Felsen niederlassen, der unter der Be- 
rührung durch ein Wunder zum Weichen Polster wird. Links sieht 
man das von einem Engel geleitete Schiff am Ufer halten, während 
auf dem Altar des Schlosses sich Frauen zeigen. Die Gräfin weist 
die Fremden zurück und schickt sie zu dem grausamen König des 
Landes, der sie sofort einkerkern lasst, wie die Lünetten der westlichen 
Wand erzählen. In den nördlichen Lünetten sieht man, wie der Apostel 
durch einen Engel seine Jünger befreit, worauf sie in's Gebirge ent- 
weichen. Man setzt ihnen nach, aber die Verfolger werden durch eine 
zusammenbrechende Brücke in den Abgrund gestürzt. Dies Alles ist 
überaus lebendig geschildert, besonders wie einer der Reiter aus dem 
Wasser an das steile Ufer sich emporzuarbeiten sucht. 
Dieser Theil der Bilder ist in einem strengeren giottesken Stil 
und in lichten Farben von einem bedeutenden Meister der älteren 
Schule ausgeführt. Wir dürfen in ihm wohl den Altichiero vermuthen. 
Die übrigen Bilder zeugen von einer jüngeren Hand, die sich durch 
reichere Farbenskala, kräftigere Modellirung in tieferen Tönen und 
freiere Entwicklung des Kolorits auszeichnet. Dies dürfte dann Jacopo
        

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