Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266149
Kapitel. 
Golhische 
Epoche. 
197 
der harten Arbeit des Lebens obliegen. Der Künstler hat diese Scene 
zu solch friedvoller ldylle gestaltet, dass man fast glauben möchte, 
auch ihm schon sei die Vcrurtheilung zur Arbeit nicht als Strafe, 
sondern als höchster Segen des Himmels erschienen. Auf dem folgen- 
den Bilde sieht man dann, wie Kain und Abel opfern, Abel erschlagen 
wird und wie dadurch Mord und Todschlag in die Welt kommt. Dies 
Bild ist dürftig in der Erfindung, locker und leer in der Oomposition 
und mangelhaft in Ausdruck und Bewegung. Besser dagegen sind die 
folgenden Scenen; namentlich die Erbauung der Arche durch Noah 
ist ein lebendiges ansprechendes Genrcbild, während die Sündfluth und 
Noahs Dankopfcr geringe Gestaltungsgabe verrathen. Im Ganzen er- 
scheint Pietro, der mehr sienesische Weichheit als ÜOPSHtiIIiSChB Kraft 
verräth, doch als ein ziemlich untergeordneter Künstler. 
Italien. 
übrige 
Das 
Fanden wir den eigentlichen Sitz der neuen grcssen Kunst- 
bewegungin Toskana, dem Herzen Italiens, und zwar hier vorzugs- 
weise in Florenz, so war die Kraft des durch den grossen Giotto 
gegebenen Antriebes so mächtig, dass sie sich doch weit über die 
Grenzen des toskanischen Gebietes geltend machte. Dass Giotto auch 
auswärts, sowohl im Süden wie im Norden der Halbinsel selbstthätig 
wirkte, haben wir schon gesehen und auch erkannt, dass er in Neapel 
in tüchtigen Nachfolgern (Incoronata, vgl. S163) Spuren nachhaltigen 
Einflusses hinterliess.  
Anders gestaltete sich dieses Verhaltniss in Oberitalicn, wo der 
bahnbrechende Meister, wie wir erfahren, umfangreiche Arbeiten aus- 
geführt hatte. Während in einzelnen Gegenden eine entschiedene 
Aufnahme und Weiterbildung seines Stils erfolgte, blieben andere in 
merkwürdiger Stagnation hinter den Forderungen der Zeit zurück, ja 
selbst die byzantinische Üeberlieferung mit ihrer ängstlich sanbern 
Technik, ihrer Vorliebe für Goldsehmuck aller Art, ihrer typischen 
Kopfbildung und Formenstarrheit behält vielfach noch Geltung. So 
findet man es namentlich in Venedig, wo ein Meister Paulus de 
Venetiis 1333 eine Altartafel mit dem Tode der Madonna malte, die 
jetzt in der Akademie daselbst sich findet und eine Mischung byzan- 
tinischer Formen mit giottesken Anklängen zeigt. Derselbe Künstler
        

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