Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266132
196 
Buch. 
Das 
Mittelalter. 
Wenige Jahre nach Vollendung dieser Werke führte Spinello 
Aretino (1391) die oben bereits erwähnten (vergl. S. 157) Geschichten 
der h. Ephesus und Potitus aus, mit welchen die Darstellungen auf der 
südlichen Wand ihren Abschluss erreichten. 
Inzwischen war man nun auch zur Ausmalung der gegenüber- 
stehenden Wand geschritten, und berief dafür bereits 1390 einen 
Meister Pietro di Puccio aus Orvieto, der kurz vorher als Mosaicist 
an der dortigen Domfacade gearbeitet hatte. Als er nach Pisa ge- 
kommen war, wurde er zuerst durch Krankheit gehindert, und man 
besitzt noch im Archiv die Apothekerrechnungen, welche der Vorsteher 
des Werkes für ihn bezahlen musste. Dann malte Pietro am West- 
lichen Ende der Nordwand vier Bilder aus der Genesis, von denen das 
erste unter der Bezeichnung „il Mappamondo" eine wunderliche Schil- 
derung der mittelalterlichen Weltanschauung enthält. In kolossaler 
Grösse, der vollen Bildhöhe einer Doppelreihe entsprechend, sieht man 
darauf die Gestalt Gottvaters, in seinen Händen eine riesenhafte Scheibe 
haltend, die ihn so vollständig bedeckt, dass nur die Füsse und der 
Kopf sichtbar werden. Diese Scheibe enthält nach der naiven Vor- 
stellung jener Zeit das Universum, im Mittelpunkt selbstverständlich 
die Erde, auf welcher man Europa, Asien und Afrika unterscheidet, 
dann concentrisch angeordnet die Kreise der Planeten und Fixsterne, 
endlich die neun Engelchöre. Am Fusse des Bildes erscheinen die 
Halbfiguren des h. Augustinus und des Thomas von Aquino, als Haupt- 
vertreter göttlicher Weisheit. S0 barock und ungeniessbar diese land- 
kartenartige Schilderung ist, so viel anziehender gestalten sich dafür 
die Weiteren Geschichten der Schöpfung. Der Künstler führt uns in 
den anmuthigen, von Quellen bewässerten, von Fruchtbäumen erfüllten 
Garten des Paradieses. Von links her naht mit einem Hofstaat von 
Engeln Gottvater, um Adam zu formen, der sich, von seines Schöpfers 
Händen unterstützt, noch halb von irdischer Schwere gelähmt, müh- 
sam vom Boden aufriehtet. Diese Scene begiebt sich auf einem tieferen 
Plan vor dem mit einer Zinnenmauer umschlossenen Paradiesesgarten. 
Darüber sieht man, wie Gottvater, der stets als blühender Mann dar- 
gestellt wird, Adam in's Paradies einführt, dann aus der Rippe des 
Schlafenden die Eva erschafft. Gleich daneben folgt der Sündenfall 
und der zürnende Verweis, den Jehovah den beiden im Gebüsch sich 
versteckenden Sündern ertheilt. Wir sehen sie dann durch einen 
Engel in, ritterlicher Rüstung aus dem Paradiese gestossen und im 
mittleren Theile des vorderen Plans in rauhen härenen Gewändern
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.