Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266103
Kapitel. 
Gothische 
Epoche. 
193 
neuen Jünger den Segen ertheilt. Dies alles ist nicht gerade mit 
grosser Lebendigkeit, aber doch mit einer gewissen Warme vorge- 
tragen. Der Heilige macht sich nun nach dem gelobten Lande auf, 
und auf dem zweiten Bilde sieht man ihn zu Schiff, wo seine Reise- 
gesellschaft sich vor der wunderbaren übelriechenden Fracht entsetzt; 
sie umstehen mit den Gebärden des Ekels die geöffnete Kiste und 
geben ihrem heiligen Gefährten Anlass ihnen zu beweisen, dass „vor 
Gott alle weltlichen Güter stinken". Dann Sieht man in die offnen 
Hallen einer Kirche hinein, wo Rainer vom Priester das Pilgerkleid 
empfängt und gleich daneben Almosen austheilt, während auf der 
andern Seite ihm Christus erscheint. In einer dritten Scene wird er 
in der härenen Pilgerkutte von andern Heiligen vor die thronende 
Madonna geführt, die von einem Chor anbetender Engel umgeben ist. 
Alle diese Scenen gestalten sich innerhalb desselben Bildes als Episoden, 
die nur locker aneinander gereiht sind. Nun folgt das dritte Bild, in 
welchem man wieder in einer Reihe von Einzelscenen den Heiligen 
nicht weniger als sieben Mal in seinem Pilgergewande erblickt, wie 
er vom Teufel versucht und in die Lüfte entführt wird, wie dieser 
vergeblich mit Steinen nach ihm wirft und ihn dann lassen muss, wie 
Rainer zwei Leoparden beschwichtigt, dass sie wie zahme Hündlein 
vor ihm niederknieen, wie dann Christus zwischen Moses und Elias 
von Engeln umringt ihm erscheint, so dass vor dem himmlischen Glanz 
der Knieende die Augen schützen muss, wie endlich der Heilige am 
Eingang einer Kirche von den Mönchen ehrfurchtsvoll aufgenommen 
wird und gleich daneben Almosen austheilt. Eine liebenswürdige Ge- 
sinnung herrscht in diesen Bildern, und wenn ihre malerische Erschei- 
nung nicht mehr erfreulich wirkt, so wird man dafür die starken 
Herstellungen, welche sie erfahren haben, verantwortlich machen müssen. 
Bedeutender sind freilich die drei unteren von Antonio Veneziano 
ausgeführten Bilder, die sich durch grössere Frische, ausgebildeteren 
Natursinn, reiche Episoden und prächtige architektonische Hintergründe 
auszeichnen. Auch die sorgfältige Behandlung in lichten klaren Tönen 
zeugt von der Gediegenheit des Meisters, der unter den späteren Giot- 
tisten ohne Frage einer der tüchtigsten ist. Auf dem ersten, grossen- 
theils zerstörten Bilde erkennt man nur noch die beiden Schiffe, welche 
den Heiligen und seine Gefährten aus dem gelobten Lande zurück- 
führen; oben in Wolken erscheint Christus, um dem sich Einschiffenden 
den WVeg zu zeigen. Dann sehen wir Rainer vor einer mit zahlreichen 
Thürmen und Kuppeln geschmückten Stadt das Wunder an dem 
Liibke", Italien. Malerei. I. 13
        

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