Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266079
H11 L LBIHI LEY. 
Gegensatz zu seiner Ruhe spricht sich bei den Reitern das Entsetzen 
in mannigfaltiger Weise ergreifend aus, und selbst in den Thieren, in 
den stützenden, sich sträubenden und sehnaubend zurückfahrenden oder 
sich vorstreckenden Rossen, in dem unruhigen Schnopern und Springen 
der Hunde tritt das Unheimliche der Scene klar hervor. Das ganze 
Bild besteht aus einzelnen Episoden, die aber in geistvoller Weise 
unter sich verbunden, durch überleitende und contrastirende Beziehungen 
in Eins zusammengewebt sind. Die gesammte mittelalterliche Kunst 
hat kein zweites Werk hervorgebracht von so tiefsinniger Poesie und 
solcher allgemein menschlichen Wahrheit. Ohne Zweifel hat das ver- 
heerende Auftreten der Pest, welche kurz zuvor in ganz Toskana 
gewüthet hatte, auf diese ergreifende Schilderung eingewirkt. Die 
Ausführung ist etwas derb, fern von der feinen Durchbildung der 
Horentiner Fresken Orcagna's, soweit vielfache Üebermalungen ein 
Urtheil gestatten. 
Alle diese Werke waren etwa bald nach der Mitte des Jahrhun- 
derts vollendet. Sichere urkundliche Nachrichten finden wir dann erst 
seit 1370, wo an der schmalen Ostwand in sechs grossen Bildern, drei 
unteren und drei oberen, die Geschichte Hiobs dargestellt wurde. 
Was von diesen Werken noch vorhanden ist, erinnert lebhaft an- den 
Stil Giotto's, so dass man sie früher diesem Meister zugeschrieben hat. 
Allein die Figuren sowie die reichen landschaftlichen und architek- 
tonischen Gründe zeugen von einem entwiekelteren Naturstudium. Die 
Lebendigkeit der Erzählung und die anziehende Fülle charakteristischer 
Züge sind echt Horentiniseh. Die Reihenfolge beginnt mit einer theil- 
weis zerstörten Darstellung des Gastmahles, welches Hiob seinen Freun- 
den giebt. Man blickt in eine grosse mit Teppichen bekleidete Halle, 
welche von oben her durch gekuppelte gothische Fenster reiches Licht 
erhält. Anmuthige Jungfrauen und Jünglinge trinken einander zu, 
letztere mit den wunderlichen langen Haarzöpfen geschmückt, welche 
als Modetracht in so vielen Bildern der damaligen Zeit wiederkehren. 
Eine lebendig aufgefasste Gruppe von Musikanten ist nur theilweise 
erhalten. Auf der andern Seite sieht man wie Hiob den Armen Brod 
austheilt. Es ist eine Scene von frischer Lebenswahrheit.  Dann 
folgt Jehovafs Zwiegespräch mit Satan, der mit seiner phantastisch- 
diabolischen Gestalt sich im kecken Trotz unter die Chöre der Engel 
gemischt hat, welche den Thron des Höchsten umgeben. (Fig. 72.) 
Gleich daneben sieht man, wie das Unglück sofort hereinbricht: die 
Reiterschaaren der Sabäer überfallen Hiobs Besitzthum mit Mord,
        

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