Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265985
Kapitel. 
Epoche. 
Gothische 
181 
Apostel blicken staunend in das leere Grab und scheinen in lebhafter 
Erregung den Vorgang zu besprechen. ln der mannigfachen Charak- 
teristik dieser Gestalten spürt man schon eine Vorahnung von der 
neuen Entwicklung der Kunst. Ein Hauch der herannahenden Renais- 
sance spricht sieh auch in den Brustbildern antiker Helden, des Scipio, 
Curius Dentatus, Cato, Cicero u. A. aus, mit welchen er die Eingangs- 
halle dekorirte. Den h. Christoph und einige andre Figuren fügte er 
1414 hinzu. 
Von seinen späteren Werken nennen wir noch eine Altartafel der 
Verkündigung von 1409, jetzt in der Galerie zu Siena, eine thmnende 
Madonna mit Heiligen im Dom zu Volterra von 1411-und ein Altar- 
werk für die Kirche der Ohservanten bei Siena. Was in Galerieen 
auf den Namen des Meisters geschrieben wird, wie die beiden Bilder 
im Museum zu Berlin, Nr. 1083 und 1135, trägt seinen Namen meist 
mit Unrecht. 
Pisa und 
das 
Camposanto. 
Auffallende Sprünge und Wechsel beobachtet man im Kunstleben 
der einzelnen Hauptorte Italiens, manchmal von befremdender Selt- 
samkeit. So ist es gewiss merkwürdig, dass Pisa, Welches seit der 
frühromanischen Epoche eine so gewaltige Blüthe der Architektur er- 
lebt hatte, der dann seit dem 13. Jahrhundert durch Niccolö, Giovanni 
und Andrea Pisano ein nicht minder bedeutender Aufschwung der 
Plastik gefolgt war, in der Malerei sichtlich zurückblieb. Wir ver- 
mögen unter den unbedeutenden Künstlern, die man in der Sammlung 
der Akademie dort kennen lernt, nur etwa den Bruno di Giovanni 
hervorzuheben, von Welchem eine heilige Ursula mit ihren Jungfrauen 
vorhanden ist, in den Köpfen nicht ohne Anrnuth, im Uebrigen aber 
wenig belebt. Auch ein Turinus Vmmi, der sich aus Rigoli oder aus 
Pisa nennt, und von welchem ein Altarbild in S. Paolo in Ripa 
d'A rno vom Jahre 1398 und ein geringeres Madonnenbild zu Paris 
im Louvre sich befindet, scheint nicht von grosser Bedeutung. An- 
ziehender ist F rancesco fläßaiüi, der in Urkunden schon 1322 vorkommt 
und von welchem ein merkwürdiges Bild in Sta. Caterina zu Pisa zeugt, 
eine Verherrlichung des Thomas von Aquino enthaltend. Man sieht 
in der Mitte die überlebensgrosse thronende Gestalt des Heiligen, der 
durch den über ihm schwebenden Christus, durch Moses, Paulus und
        

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