Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265940
Kapitel. 
Epoche. 
Gothische 
177 
diabolisches Scheusal mit Hauern und Hörnern, von ieinem Panzer und 
blutrothem Mantel umhüllt, Gift und Dolch in den Händen, zu ihren 
Füssen ein Bock. Ueber ihr schweben Geiz, Hochmuth und Eitelkeit, 
zu ihren Seiten sieht man, entsprechend den sechs Tugenden bei dem 
guten Regiment, eben so viele Laster, und zwar Grausamkeit, Verrath 
und Betrug, Wuth, Zwiespalt und Krieg. Unter den Füssen der 
Unholdin liegt die gefesselte Gerechtigkeit, mit aufgelöstem Haar, 
verzweiftlungsvoll weinend. Ihre Waage ist zerbrochen, Laster und 
Verbrechen erheben sich ungescheut, Uebelthäter reissen einer Frau 
die Kleider vom Leibe, andre haben einen Mann erschlagen. Im 
Hintergründe sieht man zerstörte Burgen und verwüstete Felder, und 
eine Stadt, über deren Thor die drohende Gestalt des Schreckens mit 
entblösstem Schwerte Wache hält. Die entsetzensvollen Scenen, an 
denen die Städte des damaligen Italiens so reich waren, mögen hier 
dem Künstler lebendig vorgeschwebt haben. Unter den Bildern sieht 
man die sehr zerstörten grau in grau gemalten Figuren der sieben 
freien Künste als Folgen des guten Regiments, und eine Reihe von 
gewaltthätigen Menschen, zur Bezeichnung der Tyrannei. 
 Unter den übrigen Künstlern von Siena ist zunächst Jacopo dri 
Mino, der auch von seinem Vater, einem Pelzhändler, wohl den Zu- 
namen del Pelliciajo führt, und von dem wir wissen, dass er sich 1344 
verheirathete und 1396 nicht mehr am Leben war. In der Sammlung 
der Akademie sieht man von ihm eine grosse Altartafel vom Jahre 
1362, mit seinem Namen bezeichnet, die Madonna zwischen Engeln 
und Heiligen darstellend, ein Werk von feierlicher Haltung, aber mit 
anmuthigenund liebenswürdigen Zügen.  Bedeutender ist ein andrer 
Künstler, dessen Namen zwischen Berna (Bernardo) und Bama (Bar- 
naba) schwankt, angeblich 1381 gestorben. Er scheint ein angesehener 
Meister gewesen zu sein, da er öfter nach auswärts berufen wurde. 
In Rom scheinen von ihm die stark übermalten Darstellungen am 
Tabernakel des Laterans herzurühren, welche diethronende Madonna 
mit einem knieenden Stifter, die Verkündigung, die Krönung der 
Jungfrau und andre Scenen aus ihrem Leben in einem anmuthig wei- 
chen Stile enthalten. Im Dom zu Arezzü Sieht man Von ihm einen 
Orucitixus mit einem knieenden Donator, daneben die Madonna und 
St. Michael, Johannes der Evangelist und St. Franziskus, ein ebenfalls 
stark beschädigtes Werk. Besser ist es den Fresken aus dem Leben 
des Heilandes ergangen, welche er in der Hauptkirche von St. Gi- 
mignano im südlichen Seitenschiif ausgeführt hat. Hier sind die so 
Liibke, Italien. Malerei. I. 12
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.