Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265899
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Buch. 
Das 
Mittelalter. 
Fresken, mit welchen er von 1337 bis 1339 die Sala della Pace im 
Palazzo Pubblico zu Siena geschmückt hat. Es galt hier das gute 
und im Gegensatze dazu das böse Regiment, beide mit ihren Folgen 
vor Augen zu bringen: eine Aufgabe ganz im Geiste der mittelalter- 
lichen Allegorie und Symbolik, die selbst das Absurde nicht scheut; 
aber der grosse Künstler verstand im Einzelnen Anmuth und Hoheit, 
Fülle lebendiger Wirklichkeit darüber auszugiessen,  in gewissen 
Theilen den Bann trockner Lehrhaftigkeit ganz zu durchbrechen. Auf 
der ersten Wand schildert er das gute Regiment. (Fig. 64.) Dieses 
sitzt in der Gestalt eines riesengrossen Mannes von strenger feierlicher 
Haltung mit Scepter und Diadem, in der Linken das Siegel der Stadt, 
auf einem mit Teppichen überzogenen Throne. Langes silbernes 
Lockenhaar iiiesst von dem bärtigen Haupt auf die Schultern herab; 
die mächtigen Augen scheinen Feuer zu sprühen. Zu seinen Füssen 
liegt eine Wölfin mit zwei nackten Knaben, eine Anspielung auf Remus, 
den angeblichen Gründer der Stadt. Üeber seinem Haupte schweben 
Glaube, Liebe, Hoffnung, letztere zu einem in Strahlen erscheinenden 
Christuskopfe andächtig hinaufblickend. Zu beiden Seiten des thronen- 
den Herrschers zieht sich eine mit demselben Teppich bekleidete Bank 
hin, auf welcher die etwa nur halb so grossen weiblichen Gestalten 
von Tugenden, und zwar zur Linken der Grossherzigkeit, Mässigung 
und Gerechtigkeit, zur Rechten der Klugheit, Tapferkeit und des 
Friedens Platz genommen haben. Fünf von ihnen sind in feierlicher 
Haltung und mit Kronen auf dem Haupte dargestellt; nur der Friede 
streckt sich in behaglicher Ruhe auf die Polster, indem er das mit 
einem Kranz geschmückte anmuthige Haupt sinnend auf die Rechte 
stützt und in der Linken einen Oelzweig halt. Uebcrraschend und 
wahrhaft erquickend durchbricht in dieser poetischen Gestalt ein Zug 
individuellen innerlichen Lebens die feierliche Anordnung des Ganzen. 
Unter dieser erlauchten Versammlung sieht man zu beiden Seiten 
Reisige zu Ross und zu Fuss als Schutzwachen aufgestellt, ganz unten 
links aber eine Anzahl gefangener Verbrecher einem Thurm zugeführt, 
der nur attributiv in kleinem Maassstabe dargestellt ist. Soweit ist 
das Bild in feierlichem Rhythmus symmetrisch angeordnet, nun aber 
sollte die strenge Göttin der Gerechtigkeit, die schon einmal vorhanden 
ist, als wichtigste Eigenschaft der Regierung ganz besonders hervor- 
gehoben werden. So sitzt sie denn seitwärts von jener Versammlung 
auf einem erhöhten Plan in ihrem Thronsessel, beide Hände in steifer 
Haltung an die Schaalen einer ungeheuren Waage legend, deren Griff
        

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