Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265866
III. 
Kapitel. 
Epoche. 
Gothische 
171 
noch die dunklen Töne der Byzantiner ohne besonders kräftige Model- 
lirung, die Empfindung aber hat durchweg eine unvergleichliche Innig- 
keit. Aus demselben Jahre stammt eine für S, Domenigg zu Orvigto 
gemalte Madonna, jetzt in der Opera del Duomo aufgestellt, ein 
Werk von ähnlicher Haltung und gleichem; Verdienst. Auch in Nea- 
pel hat sich ein Altarbild des Meisters erhalten und zwar in einer 
Kapelle von S. Lorenzo Maggiore. Hier sieht man die kolossale 
Figur des h. Ludwig, Bischofs von Toulouse, der seinem neben ihm 
knieenden königlichen Bruder Robert die segnende Hand auf das ge- 
krönte Haupt legt. Auf der-i Prcdella wird in kleineren Bildern die 
Geschichte des Heiligen erzählt. Ferner sieht man in den Uffizien zu 
Florenz eine für den Dom von Siena gemalte Verkündigung vom 
Jahre 1333, welche Simone mit seinem Schwager Lippe Memmi aus- 
geführt hat, die aber durch Restauration beschädigt ist. Aus dem 
Jahre 1342 stammt ein interessantes Bild in der öffentlichen Galerie 
zu Liverpool mit der merkwürdigen Darstellung, wie die Madonna 
und Joseph dem zwölfjährigen Christus Vorwürfe machen, dass er [sie 
verlassen habe. (Fig. 63.) Endlich sind aus Dijon vier kleine Tafeln 
in das Museum von Antwerpen gelangt, welche in zarter Empfindung 
und bei allen Mängeln der Form mit lebendigem Ausdruck die Ver- 
kündigung, in zwei besondern Tafeln die Kreuzigung und die Kreuz- 
abnahme auf Goldgrund enthalten. Wenn Giotto mit seiner gewaltigen 
Kraft der grossartigen Strenge eines Dante geistesverwandt erscheint, 
so erinnert dagegen Simone's Wesen in seiner Weichheit an die Em- 
pfindsamkeit des ihm befreundeten Sängers der Laura. 
Von Simonels Schwager Lippe Memmi, den wir schon mit ihm 
gemeinsam thätig fanden, besitzt das Museum zu Berlin ein bezeichnetes 
Madonnenbild, das in der Auffassung und den schwärzlichen Schatten im 
Fleisch stark byzantinisirt. Abgesehen von einigen andern Altarbildern 
erhielt er im Jahre 1317 den Auftrag, im Rathsseiale des Palazzo Pubblico 
zu S. Gimignano ein grosses Wandbild auszuführen. Er machte sich 
die Sache leicht, indem er im Wesentlichen das Bild seines Schwagers 
aus dem Rathssaal von Siena wiedergab. In klarem Kolorit durch- 
geführt, erinnert das Bild in überraschender Weise an eine in monu- 
mentalen Maassstab übertragene Miniatur.  
Neben Simone treten sodann die Brüder Pietro und Anzbmgio cli 
Lorenzo oder Lorenzetti als bedeutende Meister hervor. Der ältere ist 
offenbar Pietro, den wir von 1305 bis 1342 verfolgen können, Er 
macht in seinen Werkenßeinen alterthümlichen Eindruck rund scheint
        

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