Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265791
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Buch. 
Mittelalter, 
Das 
Madonna zwischen vier Heiligen. Eine andre Madonna von ähnlicher 
Composition und Behandlung in der Collegiatkirehe zu Empoli ist 
von 1404 datirt. Eine Verkündigung im Museum zu Berlin (N r. 1136) 
ist etwas schwach in den Formen und bunt in der Farbe; besser sind 
ebendort vier einzelne Heilige (Nr. 1123), Bruchstücke eines grösseren 
Altarwerkcs. Auch eine Predella im Museum zu Braunschweig mit 
einzelnen Heiligen (Nr. 118) ist ihm zuzuschreiben. Seine Richtung 
sollte dann durch Fra Angelico zu höherer Entwicklung geführt wer- 
den. Unerschöpflich erscheint uns die Produktionskraft dieser Schule, 
die bis in die ersten Decennien des 15. Jahrhunderts in den ausge- 
fahrenen Geleisen des Giottdschen Stiles sich fortbewegt. Trotz viel- 
facher späterer Zerstörung und häufigen Uebertünchens ist noch jetzt 
die Masse namentlich der Fresken aus dieser Zeit vielleicht grösser, 
als irgend eine andre Epoche der Kunstgeschichte sie hervorgebracht 
hat. Zu den Nachzüglern der Schule gehört noch PaW-i Spmelli, der 
1387 in Arezzo geboren ward und dort zahlreiche WVerkeausgeführt 
hat. Er ist ein schwacher Nachbeter des giottesken Stils, wie man an 
einer Kreuzigung in S. Domenico zu Arezzo, an einem Abendmahl 
in S. Franceseo und an einem Votivbild der Madonna mit Heiligen 
im Stadthause daselbst erkennen kann. Zu Anfang des 15. Jahr- 
hunderts arbeitete er mit seinem Vater Spinello Aretino in Siena. 
Eine andre Künstlerfamilie dieser Zeit sind die Bicci, über welche 
Vasari, durch die Aehnliehkeit der Namen verführt, uns unklare und 
verwirrte Nachrichten überliefert hat. Der Aelteste in der Reihenfolge 
ist Lorenzo di Bicci, der in Urkunden von 1370 bis 1409 vorkommt. 
Man darf seineHand vielleicht in den Fresken der Sakristeikapelle 
des Carmine zu Florenz erkennen, welche das Leben der h. Cäicilia 
schildern. Diese WVerke zeigen den lichten, freundlichen Farbenton, 
die langgezogenen Gestalten, den eonventionellen, aber in edlen Motiven 
durchgeführten Faltenwurf, der an die Gaddi erinnert. Die Darstellung 
des Hochzeitsmahls, Wobei Cäcilia die Orgel spielt, ihre Vermählung 
mit Valerian, ihre Predigt vor vielem Volk, die Taufe Valerians, und 
_die Bekehrung seines Bruders, der dann ebenfalls getauft wird, endlich 
ihre Wunderthaten, ihr Martyrium und Begräbniss, das Alles sind_ 
Seenen, in welchen das Erzahlertalent der Florentiner, trotz einer ge- 
wissen Leerheit mancher Gestalten und Motive, nicht ungünstig hervor- 
tritt. Man sieht, dass es in der starken Strömung dieser Schule selbst 
Künstlern geringeren Ranges gelang, ein gewisses Durehschnittsmaass 
zu erreichen. Von der handwerklichen Sehnellfertigkeit solcher Künstler
        

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