Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265769
III. 
Kapitel. 
Epoche. 
Gothische 
163 
von Aquin erkennt, dazu allegorische Gestalten von Tugenden; dies 
Alles auf blauem goldgestirntem Grunde. Auf den Eingangspfeilern 
sieht man St. Dominikus und nochmals St. Thomas und am Bogen die 
vier Kirchenvater. 
Dass die berühmten Gemälde im Campo Santo zu Pisa, welche 
man ehemals dem Orcagna zuschrieb und von denen später die Rede 
sein wird, nicht von ihm herrühren, ist jetzt allgemein anerkannt, Ein 
andrer bedeutender Cyclus, dessen Urheber wir nicht nachzuweisen 
vermögen, sind die Gewölbmalereien in der Incoronata zu Neapel. 
An den Gewölben sind hier acht grosse Bilder angebracht: die Kirche 
mit ihren sieben Sakramenten. Auf dem ersten Bilde sieht man die 
Kirche als eine jugendliche weibliche Gestalt in weitem Priestermantel, 
in der Hand den erhobenen Kelch haltend. Ueber ihr ragt Christus 
empor, neben ihr aber sieht man die Apostelfürsten, sodann andre 
Heilige und zwei Könige, ohne Zweifel aus der Familie der Anjou. 
Die übrigen Felder sind der Darstellung der Sakramente gewidmet, 
und zwar hat der Künstler nicht zu frostigen Allegorieen, sondern zu 
Scenen des wirklichen Lebens gegriffen. Er giebt uns in frischer 
Anschaulichkeit den Eindruck der Segnungen der Kirche, naiv und 
lebensvoll bei der Taufe und der Firmung, erschütternd bei der Busse, 
wo die Gestalten der mit Kapuzen verhüllten und mit Geisseln ver- 
sehenen Büsser ergreifend wirken. Auch die übrigen Scenen sind voll 
treffender Züge. Bei der Ehe (Fig. G1) führt er uns ein jugendliches 
Fürstenpaar vor, begleitet von charaktervollen Männern und anmuthigen 
Jungfrauen. Bei der letzten Oelung sieht man einen sterbenden Greis 
mühsam von einer Frau aufrecht gehalten, rings die Verwandten mit 
dem Ausdruck inniger Theilnahme. Grosse Lebendigkeit und dabei 
doch einfache Klarheit der Composition zeichnet diese Bilder aus. 
Unverkennbar ist das erfolgreiche Streben nach Charakteristik und 
nach bedeutsamer Hervorhebung des Moments. Die Farbenwirkung ist 
kräftig, Eintheilung und Benutzung des Raumes glücklich, das indi- 
viduelle Leben der Gestalten aber ziemlich gering, so dass man schon 
desshalb nicht an Giotto denken kann, welchem früher diese Werke 
zugeschrieben wurden; aber der Einfluss seines Stils und seines Wir- 
kens in Neapel tritt deutlich hervor. Da die Kirche erst lange nach 
Giottds Tode von der Königin Johanna zur Feier ihrer Vermählung 
mit Ludwig von Tarellt (1347) gestiftet Ward, so stehen auch die histo- 
rischen Nachrichten jener Annahme im Wege. Ob der Urheber jener 
Hubertus de Oderisio aus Neapel gewesen ist, welcher sich auf einer
        

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