Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265716
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Buch. 
Mittelalter. 
Das 
Abschluss macht die Enthauptung des Märtyrers, den wir am Boden 
liegen sehen, während der Henker ruhig sein Schwert in die Scheide 
stösst. Spinello erhielt, laut Ausweis der noch vorhandenen Rechnungen, 
für diese Werke 150, und für das Leben des h. Potitus 120 Gold- 
gulden. Mit unverwüstlicher Arbeitskraft finden wir den Künstler noch 
in den letzten Lebensjahren mit bedeutenden Werken beschäftigt, 
meistens von seinem Sohne Pawi, d. h. Gasparre, unterstützt. S0 
schuf er in Florenz bei Sta. Maria Novella in der Cappella S. Nic- 
colo, der jetzigen Farmacia, die noch jetzt vorhandenen Scenen der 
Passion, die indess zu seinen oberllächlicheren Arbeiten gehören. Wich- 
tiger sind die für Siena ausgeführten Arbeiten, wo er mit seinem 
Sohne schon 1405 längere Zeit gegen einen Monatsgehalt von 111,12 
Goldgulden für den Dom thätig war. Was er hier geschaffen, wissen 
wir nicht, da nichts davon erhalten ist; aber im Jahre 1408 führte er 
im Saal der Prioren, im Palazzo pubblico daselbst, die noch vor- 
handenen Darstellungen aus. Kaiser Friedrich Barbarossa's Kämpfe 
mit Mailand, seine Demüthigung durch den Papst, dem er mit dem 
Dogen von Venedig die Zügel des Pferdes halten muss, und andre 
damit zusammenhängende Scenen sind mit grosser Lebendigkeit in 
einem frischen kraftvollen Kolorit geschildert. Bedenkt man, dass der 
Meister damals bereits 90 Jahre alt war, so wird man seine unver- 
wüstliche Kraft noch mehr bewundern. 
Zu den bedeutendsten Nachfolgern der giottdschen Richtung ge- 
hört nun ein Meister, welcher unter dem Namen Orcagna berühmt ist. 
Sein eigentlicher Name ist Andrea 0h" Oione und sein Beiname Arcagitolo, 
aus welchem dann jener allgemein bekannte Name durch Abkürzung 
entstanden ist. Er gehört in die Reihe jener grossen Meister, welche 
gleich Giotto in allen drei Künsten thatig waren. Sein Vater Cione 
war, wie es scheint, jener tüchtige Goldschmied, der an der Herstellung 
des silbernen Altaraufsatzes für das Baptisterium zu Florenz Antheil 
hatte. Sein älterer Bruder Bernardo (Nardo meistens genannt), sowie 
ein jüngerer Bruder waren Maler. Andrea mag gegen 1820 geboren 
sein, da er schon 1354 bedeutende Aufträge erhielt. Zuerst scheint 
er, und zwar in der Schule des Andrea Pisano, der die schöne Bronze- 
thür des Baptisteriums geschaffen, sich der Bildhauerei gewidmet zu 
haben, auf welche ihn schon die Thätigkeit seines Vaters hinwies. 
Dass damit im Sinne jener Zeit auch die Kenntniss der Architektur 
verbunden war, versteht sich von selbst. In die Steinhauerzunft wurde 
Andrea 1352 aufgenommen. Der Malerei scheint er sicherst später und
        

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