Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265679
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Buch. 
Mittelalter. 
Das 
Weltrichters demuthsvoll erwartend. Auch in Assisi sieht man in der 
Unterkirche mehrere tüchtige Fresken von Giottino, namentlich Scenen 
aus dem Leben des h. Nicolaus und eine Krönung der Madonna von 
hoher Anmuth. In Florenz gehören ihm ferner die Gemälde in der 
Gruft der Strozzi im linken Querschiif von Sta. Maria novella. Die 
tiefe Nische der Rückwand enthält eine Grablegung Christi, wozu auf 
beiden Seitenwänden noch vier Einzelgestalten kommen. Es ist ein 
ausdrucksvolles Werk, der Leichnam Christi zwar noch hart und steif 
in der Zeichnung, aber der Kopf voll Empfindung im rührenden Wider- 
schein überstandenen Leidens; ergreifend der die Hände ringende 
Johannes, der greise Nicodemus, der Christi Füsse küsst, die Frauen, 
Welche sich theilnahmsvoll mit der ohnmächtigen Madonna beschäftigen. 
Denselben Gegenstand behandelte der Künstler noch einmal in einem 
Tafelbilde, welches aus S. Remigio in die Sammlung der Uf f izien 
gekommen ist (Nr. 7), gemässigter im Ausdruck und dabei von fein 
abgetöntem Kolorit. 
Von einem andern Meister Bernardo Daddi, der schon 1320 in 
die Zunft aufgenommen war und daher wohl auch zu den unmittel- 
baren Schülern Giotto's gehört, zeugt das Madonnenbild in dem be- 
rühmten Tabernakel des Orcagna auf dem Hauptaltar von Or san- 
 micchele, das in seiner weichen hoheitvollen Schönheit zu den edelsten 
Madonnenbildern dieser Epoche gehört. Urkundlich ist erwiesen, dass 
er 1346 und im folgenden Jahre Abschlagszahlungen für diese Arbeit 
erhielt. In Santa Croce malte er in der vierten Kapelle links vom 
Chor Scenen aus dem Leben der Heiligen Stephanus und Laurentius, 
die indess zu stark ausgeblieben und theilweise restaurirt sind, um ein 
genaues Urtheil zu gestatten. Die heftig bewegten Henker bei der 
Marter des Stephanus zeugen nicht eben von geistreieher Erfindung.  
Neben diesem Künstler wird Jacopo da Casentino genannt, der mit 
ihm 1349 bei der Gründung der neuen Malerzunft in den Vorstand 
gewählt wurde, also zu den angeseheneren Meistern gehörte. Die 
Altartafel, welche Jacopo für die Kapelle der Gilde zu malen beauf- 
tragt wurde, ist verschwunden. Einige Figuren von Heiligen in den 
Filuachnischen der Pfeiler von Orsanmicchele erscheinen wenig be- 
deutend. Besser erkennt man den Künstler aus einer Altartafel, welche 
aus San-Giovanni in Prato vecchio nach London in die National- 
galerie gelangt ist. (Nr. 580.) Sie zeigt die Aufnahme Johannes des 
Evangelisten in den Himmel, mit vier andern Heiligen zu jeder Seite 
und kleine Scenen aus dem Leben des Heiligen, in den oberen Krö-
        

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