Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265653
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Buch. 
Das 
Mittelalter. 
Hauptwerk sind die Passionsscenen, mit welchen er den Kapitelsaal 
von S. Francesco zu Pisa bis zum Jahre 1392 schmückte. In zwölf 
Bildern mit fast lebensgrossen Figuren schildert er das Leiden und 
die Verklärung des Herrn vom Abendmahl bis zur Ausgiessung des 
h. Geistes. Beim Abendmahl befolgt er Giotto's Anordnung aus der 
Arena und vertheilt die Jünger auf beide Hauptseiten des Tisches, so 
dass die eine Hälfte dem Beschauer den Rücken zuwendet. Von würde- 
voller Schönheit ist Christus, der an der einen Schmalseite im Profil 
dargestellt ist, an seiner Brust den Lieblingsjünger haltend. In der 
Fusswaschung findet sich eine Anzahl bedeutender Köpfe. Das Gebet 
in Gethsemane, der Judaskuss, die Geisselung und die Kreuztragung 
sind ebenfalls ergreifende Compositionen, besonders aber die grosse 
Kreuzigung, die freilich wie das Üebrige stark beschädigt ist. Die 
Kreuzabnahme und Grablegung zeichnen sich durch ausdrucksvolle 
schmerzliche Bewegung aus, die Auferstehung ist grossartig und die 
Erscheinung bei den Marien im Garten von inniger Zartheit der Em- 
pfindung, höchst feierlich vor Allem aber die Himmelfahrt Christi. 
Durchweg sind die Züge seelenvoll bewegt, die Formen einfach und 
mächtig, das Ganze gehört zu den feierlichsten Schöpfungen dieser Art. 
Sodann rühren von seiner Hand die Wandgemälde im Kapitelsaal von 
S. Francesco zu Prato. Man sieht an der Hauptwand eine leider 
stark zerstörte Kreuzigung von edlem Charakter, besonders ausdrucks- 
voll der Kopf Christi. Auf den Seitenwänden Scenen aus dem Leben 
des h. Antonius von Padua und des Evangelisten Matthäus, geschickte 
aber etwas oberflächliche Arbeiten, bei welchen wohl eine starke Mit- 
Wirkung von Gehülfenhanden anzunehmen ist.  Denselben Meister 
darf man auch in den ausgedehnten Wandbildern erkennen, welche die 
südliche Wand der Sakristei von Sta. Croce bedecken. Unten in 
der Mitte die Kreuzigung in der herkömmlichen Darstellung, aber mit 
einer ganz besonderen Innigkeit des Ausdrucks, so dass man fast an 
eine andre Hand denken möchte; daneben links die Kreuztragung, 
etwas wirr angeordnet und nicht sehr glücklich bewegt, rechts die 
Auferstehung, wo die feierliche Gestalt Christi von den schlafenden 
Kriegern mit ihren etwas seltsamen Stellungen sich würdig abhebt; 
oben ein dreieckiges, dem Dachstuhl entsprechendes Feld mit der 
Himmelfahrt Christi, wobei die Gestalt des Erlösers zwar minder glück- 
lieh, der Ausdruck, der ihm sehnsüchtig nachschauenden Apostel aber 
recht gelungen ist. Auch hier gewährt das Ganze einen hohen deko- 
rativen Reiz, denn der blaue Grund ist mit Ornamentstreifen von grosser
        

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