Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265648
Kapitel. 
Gothische Epoche. 
151 
Ehren Gottes, der Jungfrau Maria und aller Heiligen abfasst, aber 
zugleich in Verehrung des Giotto, Taddeo und seines LehrersäAgnolo. 
Ein warmes Gefühl von der Würde und Höhe der Kunst erfüllt ihn; 
desshalb verlangt er, dass die Jünger der Kunst sich mit Liebe, Furcht, 
Gehorsam und Ausdauer schmücken sollen, und dass ihr Leben so 
beschaffen sei, als hätten sie Theologie, Philosophie oder andre Wissen- 
schaften zu studiren. Jeder soll sich dann einen Meister wählen, dessen 
Weise er sich treu anzuschliessen hat, damit nicht die Neigung zu 
jedem Stile ihm den Kopf verwirre und ihn zum Phantasten mache. 
Er selbst habe zwölf Jahre bei seinem Meister gelernt, Taddeo Gaddi 
aber sei sogar vierundzwanzig Jahre in Giotto's Schule gewesen, der 
freilich die Kunst vollkommner gehandhabt als je Einer. Die ange- 
nehmste und schönste Arbeit nennt er die Freskomalerei; aber auch 
für die Tafelmalerei giebt er genaue Vorschriften und meint, das sei 
eine feine Arbeit, die man sogar in einem Sammetanzug betreiben 
könne. Im Ganzen kommt er über den trockenen Ton von Recept- 
angaben nicht hinaus; aber es ist doch bezeichnend, dass er bereits 
Vorschriften über die Proportionen des menschlichen Körpers macht; 
freilich giebt er nur die Maasse des männlichen Körpers, indem er naiv 
bemerkt, die der Frau werde er bei Seite lassen, weil sie keine rich- 
tigen Maasse habe. Hierfür weist er den Schüler an die Natur, und 
dasselbe gilt von den unvernünftigen Thieren, denen er ebenfalls keine 
rechten Verhältnisse zugesteht. Man soll daher auch sie nach der Natur 
zu zeichnen versuchen. Man sieht in alledem die Schranken der mittel- 
alterlichen Anschauung, aber doch zugleich eine Summe technischer 
Erfahrung und ein lebhaftes Gefühl von der Würde der Kunst, wie 
es schwerlich damals im ganzen Norden zu finden war. Namentlich 
aber erkennt man, wie mangelhaft und beschränkt noch das Natur- 
gefühl war; räth er doch sogar, wenn man Felsen darstellen wolle, 
sich dafür einige ungeglättete grosse Steine in der Werkstatt zu halten. 
Keine Ahnung davon, dass man einfach nach der umgebenden Natur 
seine Studien machen könne. Dieser Art sind. denn auch die land- 
schaftlichen Gründe Giottds und seiner Schule. 
Als ein dem Giotto ebenfalls noch sehr nahe stehender Künstler 
tritt uns Nicolaus Petra" (Niccolö di Piero Gerino) entgegen. Er geht 
besonders auf Energie des Ausdrucks und Schärfe der Charakteristik 
aus, schliesst sich im Ganzen der schlichten Darstellungsweise Giottds 
an, sucht aber durch reichere episodische Züge und ausgebildetem 
architektonischlandschaftliche Gründe die Wirkung zu steigern. Sein
        

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