Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265630
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Buch. 
Mittelalter. 
Das 
einfach und edel. Sodann von ergreifendem Ausdruck an der Rück- 
wand der Tod der Madonna, die von einem Engelchor und den Aposteln 
umgeben ist; darüber die Himmelfahrt der Jungfrau, die v0n_ schwe- 
benden Engeln umringt den Gürtel darreicht. Auch hier Alles voll 
Holdseligkeit, die Gestalten edel und frei bewegt, die Gewänder reich 
entwickelt in den mannigfaltigsten Motiven, die Färbung mild und 
licht, voll Harmonie, das ganze Werk unstreitig eine der köstlichsten 
Leistungen der Zeit. An der östlichen Wand wird sodann die Geschichte 
des h. Gürtels erzählt, der, wie die Legende berichtet, dem h. Thomas 
hinterlassen und nachmals durch einen Einwohner von Prato im ge- 
lobten Lande aufgefunden und erworben wurde. An den Gewölben 
endlich sind" in kraftigerer Färbung die grossartigen Gestalten der 
Evangelisten und der Kirchenvater angebracht. Die schön geschmück- 
ten Gurtbögcn, welche in Ornamentbändern Rautenfelder mit Brust- 
bildern von Engeln zeigen, vollenden den köstlichen Eindruck dieses 
Werkes. 
Ein reich gegliedertes Altarwerk des Meisters mit der thronenden 
Madonna befindet sich, aus S. Pancrazio stammend, in der Sammlung 
der Akademie zu Florenz. Es ist etwas weich und matt in den 
Charakteren, aber recht edel in der Empfindung, würdig in den Köpfen, 
stilvoll in der Gewandung und mild in der Färbung. 
Aus Agnolds Schule ging Gemeine Uenniml hervor, der, aus Colle 
im Valdelsa gebürtig, die Schule Giotto's nach Padua verpflanzte, wo 
er urkundlich schon 1398 sich angesiedelt und mit einer Eingebornen 
verheirathet hatte. Er war in Diensten des Herrn von Carrara, Ge- 
bieters von Padua, beschäftigt, bei welchem er in der Stellung eines 
Hausgenossen (familiaris) lebte. Künstlerische Werke von ihm können 
wir nicht nachweisen, aber in seinem schon erwähnten Buche über die 
Malerei hat er uns ein werthvolles Zeugniss über die Anschauungen, 
das künstlerische Wissen und das_technische Verfahren seiner Zeit 
hinterlassen. Es ist das Werk einer liebevollen Sorgfalt, die treu 
überliefert, was sie an Erfahrungen eingesammelt hat, Und diese 
Erfahrungen sind nicht gering anzuschlagen. Man erkennt bald, welche 
erstaunliche Summe von technischem Wissen sich inzwischen durch 
die Thätigkeit einer so ausgebreiteten, zahlreichen Schule angesammelt 
hatte. Wir sind daher durch den Fleiss des wackeren Künstlers über 
das gesammte technische Verfahren Giotto's und seiner Nachfolger 
besser unterrichtet, als über irgend eine andre Epoche der Malerei. 
Bezeichnend für die Auffassung der Zeit ist, dass er das Buch zu
        

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