Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265548
Kapitel. 
Epoche. 
Gothische 
145 
sein, ja es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Composition des Ganzen 
im Wesentlichen sein Werk ist. Was freilich die Ausführung betrifft, 
so sind zum Mindesten zwei ganz verschiedene Hände darin anzu- 
erkennen. Der Inhalt dieses umfangreichen Cyclus läuft auf die Ver- 
herrlichung des h. Dominlikus und seines Ordens hinaus, wobei denn 
der Gegensatz der Auffassung zu den so häuüg vorkommenden Ver- 
herrlichungen des h. Franziskus überaus charakteristisch erscheint. 
War dort das Leben des Heiligen durch den Reichthum an gemüth- 
liehen legendarischen Zügen einer episch dramatischen Darstellung 
günstig, so hielt man hier eine lehrhafte Tendenz fest, und der Stolz 
des Predigerordens scheint sich in Entfaltung einer dogmatisch-scho- 
lastischen Weisheit Genüge gethan zu haben. Ohne Frage ist das 
Programm von den gelehrten Mönchen des Klosters ausgearbeitet und 
den Künstlern unterbreitet werden; diese mochten zusehen, wie sie sich 
mit dem zum Theil trocknen Stoff abfanden. An der Eingangswand 
liess man das Leben des Ordensstifters in einer Reihe von Bildern 
darstellen, welche fast gänzlich verblichen sind. Doch sieht man noch 
seine Predigt, die Erweckung eines Mädchens vom Tode, seine Ent- 
hauptung und einiges Andre. An der Altarwand ist sodann das Leiden 
Christi geschildert, und zwar links mit der Kreuztragung beginnend. 
Man sieht die Wendung des Zuges den Hügel hinauf; die Figuren 
sind lebendig gedacht, kämpfen aber noch mit Ungeschick und Steif- 
heit der Bewegung; die Köpfe zeigen den echt giottesken Typus, 
namentlich die schmal geschlitzten Augen. Der Künstler hat die 
originelle Idee gehabt, die einzelnen Scenen nicht zu trennen, vielleicht 
das erste Beispiel dieser später so oft wiederholten Anordnung. So 
langt denn der Zug oben in der Mitte an, wo die Kreuzigung in 
{igurenreicher Darstellung vorgeführt wird. Nicht sehr gelungen ist 
hier der klagende Ausdruck der Frauen. Gleich daneben sieht man, 
wie Christus die Pforten der Hölle überwältigt, eine etwas zahme Be- 
handlung dieses bedeutenden Themas Bedeutender zeigt sich am 
Gewölbe die Auferstehung, wo die schlafenden Kriegsknechte sehr 
natürlich geschildert sind, die beiden Engel überaus grossartig, auch 
die Gestalt Christi edel und würdevoll. Bei der Erscheinung im Garten 
verräth besonders Maria rührende Innigkeit des Ausdrucks- Auch die 
Himmelfahrt an der entgegengesetzten Gewölbkappe ist eine im Ganzen 
tretfliche Composition. 
Merkwürdiger indess sind die übrigen Darstellungen an den 
Wänden, welche eine allegorische Verherrlichung des Dominikaner- 
Lübke, Italien. Malerei. I. 19
        

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