Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265538
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Buch. 
Das 
Mittelalter. 
Den Taddeo Gaddi glaubt man sodann in dem grossartigen Abend- 
mahl des ehemaligen Refectoriums von Sta. Croce zu erkennen, 
welches Vasari dem Giotto zuschreibt. Es ist von allen Darstellungen 
dieses Gegenstandes, welche wir aus dem Mittelalter besitzen, wohl 
die grandioseste, namentlich auch dem Abendmahl Giottds in der 
Arena Weit überlegen, von mächtigem feierlichem Ernst und von einer 
Strenge und Grösse des Stils, welche in der That noch nahe an Giotto 
streift. Das Werk lässt sich daher wohl am ersten dem Taddeo zutrauen. 
Die Anordnung ist noch ganz die herkömmliche: Christus zwischen 
den Jüngern an der einen Langseite des Tisches sitzend, Johannes 
an seine Brust gelehnt, der Verräther aber naiver Weise vereinzelt 
an die andre Langseite des Tisches verwiesen. Darüber sieht man 
Christus am Kreuzesstamm, der viele Aeste treibt, welche die Figuren 
der Propheten und Evangelisten tragen, am Fusse des Kreuzes den 
h. Franziskus, neben ihm die heiligen Frauen und andre Heilige. 
Dann auf beiden Seiten in kleineren Feldern Scenen aus dem Leben 
der h. Franziskus und Ludwig. Diese Arbeiten scheinen von einer 
andern Hand, die wir nicht näher nachzuweisen vermögen. Taddeo 
endlich finden wir noch einmal in den freilich sehr zerstörten Wand- 
gemalden des Chores von S. Francesco zu Pisa, und zwar an den 
Gewölbfeldern. Schön disponirt, die Gurtbänder mit feinen Araloesken 
geschmückt, in der östlichen Kappe der zwischen Glaube und Hoffnung 
in der Mandorla schwebende Franziskus, seine Wundmale zeigend, in 
den übrigen Feldern je zwei Heilige von grossartigem Ausdruck und 
feiner Motivirung, in den unteren Ecken die Figuren von Tugenden, 
das Ganze ein anziehendes und bedeutsames Werk. 
 Endlich ist hier eine der grossartigsten cyclischen Compositionen 
der Zeit anzureihen: die Wandgemälde im Kapitelsaal von Sta. Maria 
Novella, jetzt als Cappella de' Spagnuoli Weltbekannt. An sich 
schon einer der grandiosesten Raume dieser Art, etwa 60 Fuss lang, 
bei 44 Fuss Breite, hat dieser Saal einen der umfangreichsten Cyclen 
von Wandgemälden, den wir aus jener Epoche besitzen. Vasari schreibt 
diese Werke zum Theil dem Taddeo Gaddi, theils dem Simon von 
Siena zu; allein da letzterer schon 1339 Italien für immer verliess, 
der Stifter der Kapelle aber bei seinem Tode 1355 für die Vollendung 
der Gemälde noch eine sehr bedeutende Summe aussetzen musste (325 
Goldgulden, zu welchen, da sie nicht ausreichten, sein Bruder 92 hin- 
zufügte), so ist an Simone nicht zu denken. Taddeo Gaddfs Urheber- 
schaft dagegen dürfte wenigstens für die Gewölbbilder nicht abzuweisen
        

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