Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265477
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Buch. 
Das Mittelalter. 
Gurt emporgezogen wird. Im Uebrigen ist die Composition von feier- 
licher Schönheit, wie denn namentlich köstliche Engelchöre auf beiden 
'Seiten knieend das Ganze abschliessen. Originell hat der Künstler 
auch hier den Gedanken des Bildes noch einmal zu versinnlichen 
gesucht, indem er auf dem mittleren Plan vor dem Innern der Halle 
einerseits zwei demüthig knieende Ordensleute durch einen Engel sanft 
auf die Obedientia hinweisen lasst, während auf der andern Seite eine 
phantastische Centaurengestalt mit Wolfsklauen an den Hinterfüssen 
den ungebandigten Trotz einer halb thierischen Natur ausdrückt, ohne 
Rücksicht auf den Engel nebenan, welcher ihn vergeblich zu beschwich- 
tigen sucht.  
Das dritte Bild stellt die Keuschheit dar. Hier ist Alles von 
dürrer Allegorie so überwuchert, dass man nicht zu einem reinen 
künstlerischen Genuss kommen kann. In der Mitte thront in einem 
Thurme, welcher von der „Tapferkeit" und der „Reinheit" vertheidigt 
wird , die Keuschheit, zu welcher zwei steife Engel mit Krone und 
Palme heranschweben. Auf dem felsigen Plan vor der Burg sieht man 
in der Mitte einen Täufling, an welchem zwei Engel das Sakrament 
vollziehen, Während andre das Mönchsgewand für ihn bereit halten, 
Tapferkeit und Reinheit aber ihm von der Mauer herab mit grossem 
Eifer Fahne und Schild entgegenreichen. Zu beiden Seiten sieht man 
ernste Krieger mit Geisseln in den Händen, endlich zur Linken den 
h. Franziskus liebreich drei zu ihm hinaufstrebende Ordensleute em- 
pfangen, rechts aber eine höchst geschmacklose Darstellung des Kampfes 
gegen die Sinnenlust, letztere repräsentirt durch eine Art Amor mit 
verbundenem Haupt, Harpyienkrallen an den Füssen und einem Köcher 
um den nackten Leib, an dessen Schnur Herzen aufgereiht sind. Er 
wird durch eine geflügelte Mönchsgestalt, welche die vßusse" vorstellen 
soll, mit Geisselhieben in den Flammenpfuhl der Hölle gejagt, in 
welchen hinter ihm der Tod eine andre nackte Figur mit fiammen- 
artigen Haaren ebenfalls hinabstösst. Unten im Flammengrunde liegt 
ein nacktes geiiügeltes Ungethüm mit Schweinskopf und Schweinspfoten 
statt der Arme, welche es verlangend nach dem Vertriebenen ausstreckt. 
Wir haben uns darunter die Unkeuschheit vorzustellen. Man sieht, 
wie bei solchen Aufgaben einer abgeschmackten Mönchsphailtasie selbst 
ein so grosser Künstler schliesslich zur Absurdität gelangen musste, 
die denn auch in der Zerfahrenheit der Composition einen unerfreu- 
liehen Ausdruck findet. 
Ungleich anziehender ist das vierte Bild, welches die Verherrlichung
        

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