Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265400
Kapitel. 
III, 
Epoche. 
Gothische 
133 
dann die Bestätigung seines Ordens durch den Papst, die Feuerprobe 
vor dem Sultan, das wunderbare Erscheinen beim h. Antonius in Arles, 
die Üebertragung des kranken Franziskus nach St. Maria degli Angeli, 
den Traum des Bischofs von Assisi mit der Erscheinung des Heiligen, 
endlich seinen Tod. Auch hier überall Adel und Einfachheit der Com- 
position, Grösse des Stils, Gewalt des Ausdrucks. Im Vergleich mit 
den Scenen aus dem Leben des h. Franz in Assisi zeigt sich hier die 
entwickelte Meisterschaft in der freieren Gestaltung und volleren Be_ 
lebung der Compositionen. Kaum lässt sich ein edlerer Zusammenklang 
würdiger und schöner Gestalten in tiefer Seelenbewegung denken, als 
bei der Schilderung vom Tode des Heiligen. Am Gewölbe sind die 
drei Tugenden des Ordens und Franziskus in der Glorie dargestellt, 
endlich in der Laibung des Eingangsbogens mehrere Heilige. 
In der Cappella Baroncelli derselben Kirche befindet sich 
ausserdem ein grosses Altarbild Giott0's, die Krönung der Jungfrau, 
welches 'mit seinem Namen bezeichnet ist: Opus magistri Jocti. Die 
Grossartigkeit Christi, die zarte Demuth der Maria, der jubelnde Eifer, 
mit welchem die himmlischen Heerschaaren singend und musicirend die 
festliche Scene begleiten, machen ein Ganzes von höchster Feierlichkeit. 
Ausserdem befanden sich in derselben Kirche, und zwar in der Sakristei, 
jetzt in der Sammlung der Akademie, eine Anzahl kleiner Tafel- 
bilder mit Scenen aus dem Leben Christi und des h. Franz (zwei 
davon im Berliner Museum), welche ursprünglich auf die Thür- 
Füllungen der Sakristeischränke gemalt waren. Ehemals dem Giotto 
zugeschrieben, werden sie jetzt mit Recht seiner Schule zuerkannt; 
aber das einfach schlagkräftige der Compositionen zeugt davon, dass 
wenigstens Entwürfe des grossen Meisters ihnen zu Grunde liegen. 
In die reifste Zeit des Künstlers fällt nun ohne Frage ein zweiter 
Aufenthalt in Assisi, bei welchem die grossen Gemälde der Unter- 
kirche entstanden sein müssen. Denn die dabei vorkommende Schilde- 
i-ung- von der Vermählung des h. Franziskus mit der Armuth erinnert 
so genau an die betreffende Stelle in Dante's Gedicht, dass man füglich 
die Entstehung der Gemälde nicht vor Veröffentlichung des letztern 
um 1314 setzen kann, Bevor Giotto aber diese Werke ausführte, 
muss er im rechten (nördlichen) Kreuzarm der Unterkirche die 
Scenen aus dem Leben Christi und des h. Franziskus gemalt haben. 
Sie treffen in den Motiven überraschend mit den entsprechenden Com- 
positionen der Arena zusammen, erscheinen aber durchweg freier, 
reicher durchgebildet, namentlich im Faltenstil breiter und voller. In
        

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