Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265334
128 
Buch. 
Mittelalter. 
Das 
der prüfende Kellermeister 
Wahrheit. 
mit 
seinen Gehülfen von drastischer Lebens- 
Eine der iigurenrcichsten Scenen voll ergreifenden dramatischen 
Lebens ist die Auferweckung des Lazarus. Erschütternd Wirkt das 
Eingesunkene der halbtodten Züge der mumienhaft eingewickelten 
Leiche, und die Art, wie sich die Nahestehenden vor dem Moderduft 
zu schützen suchen. Sehr lebendig ist sodann der Einzug in Jerusalem, 
besonders im Ausdruck der zujauchzenden Menge. Bei der Vertreibung 
der Krämer aus dem Tempel ist es auffallend, wie maassvoll in Christi 
Gestalt die Entrüstung ausgedrückt wird. Wiederum eine Scene voll 
bedeutsamer Physiognomik ist die Bestechung des Judas: nur wenige 
Figuren, verstohlen Hüsternd, der Verräther mit dem arglistig aus- 
holenden Blick meisterhaft: charakterisirt, das Ganze noch unheimlicher 
durch die schattenhafte Spukgestalt eines Teufels, der sich hinter Judas 
geschlichen und ihn bereits umkrallt hat. Auffallend geringfügig in 
der Anordnung und unbedeutend in den Charakteren ist das Abend- 
mahl, Während dagegen die Fusswaschung der Jünger durch Christus 
ungleich interessanter ist. Beim Judaskuss ist vor Allem die gemeine 
Arglist, die ihr edles Cpfer umschlingt, hervorzuheben. Etwas gleich- 
gültig sind die gedrängten Figuren der Häscher. Dasselbe gilt auch 
von der folgenden Scene, "welche Christus vor Kaiphas darstellt, wo 
indess der Erlöser selbst voll milder Hoheit erscheint. Auch die Scene 
der Verspottung Christi ist nicht von hervorragender Bedeutung, und 
dasselbe gilt von der Kreuztragung, obwohl hier eine Anzahl überaus 
natürlicher Volksfiguren vorkommen. Ebenso gehört die Kreuzigung 
nicht zu den gelungeneren Compositionen, nur die Gruppe der ohn- 
mächtig zusammenbrechenden Madonna ist ergreifend. Dagegen steht 
der Meister in der Trauer um den Leichnam Christi wieder auf der 
vollen Höhe; erschütternder lassen sich die mannigfachen Abstufungen 
des Schmerzes nicht Wiedergeben, und die Krone bildet der Lieblings- 
jünger, welcher mit ausgebreiteten Armen sich in voller Verzweiflung 
über die Leiche seines Meisters stürzt. Ergreifend ist auch auf der 
folgenden Darstellung, wie der Auferstandene der flehentlich die Arme 
nach ihm ausstreckenden, in die Kniee gesunkenen Magdalena sein 
„Noli me tangerea zuruft (Fig. 44), während dicht daneben zwei 
herrliche Engel auf dem leeren Grabe sitzen, die Wächter aber vom 
Schlafe bewältigt in uniibertreiflieher Wahrheit daliegen. Nicht minder 
schön ist dann die Himmelfahrt Christi geschildert, der Erlöser leicht, 
wie beschwingt hinaufsehwebend, von köstlichen Engeln und seligen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.