Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265251
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Buch. 
Mittelalter. 
Das 
innige Gottvertrauen des Heiligen gegen den leidenschaftlichen Zorn 
des Vaters, die lebendige Theilnahme der Zuschauer, die stille Genug- 
thuung der Geistlichkeit, die ruhige Würde des Bischofs, der den 
entblössten Jüngling mit seinem Mantel bedeckt. Wie wirksam ist 
der genrehafte Zug, dass zwei Kinder, die im Begriff sind Franziskus 
mit Steinen zu werfen, plötzlich an ihrem Vorhaben irre werden und 
inne halten. Nichts thörichter als Giotto wegen solcher genrehaften 
Züge zu tadeln; sie verstärken wesentlich den Eindruck, denn die aus 
dem alltäglichen Leben geschöpften Figuren lassen die ideale Würde 
und vornehme Hohheit der Hauptgestalten um so bedeutsamer hervor- 
treten. Nicht minder lebensvoll ist die mit Recht schon von Vasari 
gerühmte Figur des Bauern, der sich auf die Erde hinstreckt, um aus 
der durch den Heiligen hervorgezauberten Quelle zu trinken. Man 
kann lechzenden Durst nicht Wahrer schildern. Ausserdern ist dasselbe 
Bild eines der zahlreichen Beweise von der ausdrucksvollen Knappheit 
der Composition. Und wie lebendig ist die Bestürzung in dem Bilde, 
wo der plötzliche Tod des Herrn von Celano geschildert wird, dem 
der Heilige das schleunige Ende prophezeit hat. Wie naturwahr ist 
die Scene, wo Franziskus die Zweifel des Papstes beseitigt, indem er 
diesem im Traum erscheint und ihm ein Glas mit Blut aus seiner 
Seitenwunde darreicht. Wie lebenswahr sind hier wieder die Diener, 
von denen der eine schläft, zwei mit einander plaudern und der letzte 
seinen Rosenkranz betet. 
Von seinen römischen Werken ist die Composition der Navicella. 
in der Vorhalle von S. Peter zwar durch später-e Restaurationen 
arg entstellt, aber in Qxford findet sich die, früher im Besitz VasarYs 
gewesene Skizze Giotto's. (Fig. 41.) Man sieht das Schiff, welches 
die Apostel führt, mit den WVinden kämpfen, deren Figuren nach 
antiker Weise, aber doch schon in's mittelalterlich Dämonische über- 
setzt, allegorisch in den Wolken sich zeigen. Petrus, auf das Geheiss 
des Herrn ausgestiegen, ist im Begriff zu versinken, wird aber von 
Christus gerettet. Vier Gestalten {Ion Heiligen schauen aus dem Him- 
mel herab, während in der einen Ecke unten ein auf felsigem Ufer 
sitzender Fischer die Angel auswirft, in der andern das "Brustbild des 
betenden Kardinals Stephaneschi als Stifter des Bildes erscheint. Trotz 
der starken Veränderungen ist doch genug zu erkennen, um die streng 
geschlossene, meisterlich abgewogene Composition zu bewundern. Und 
wie ist Filrcht und Schrecken bis zur Verzweiflung in den Gebärden 
und Stellungen der Apostel ausgedrückt, wie hülflos knickt Petrus von
        

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