Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265240
III. Kapitel. 
Gothische Epoche. 
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älteren Stil Cimabue's losringt. Aber man fühlt, Welche Wonne es 
für den jugendlichen Meister sein musste, ein völlig neues Gebiet zu 
erobern und zum ersten Mal den ganzen Reichthum der Franziskus- 
Legende künstlerisch zu entfalten! Wir sehen, wie der Heilige schon 
früh, als Sohn eines reichen Bürgers von Assisi, dem Wohlleben ent- 
sagt und sich durch Mildthätigkeit auszeichnet, Dürftigen sein Gewand 
darreicht und dann, durch nächtliche Visionen bestimmt, sich gänzlich 
dem klösterlichen Leben hingiebt. Wie dann der Vater ihn vor die 
Obrigkeit ladet, um ihn wegen seiner Verschwendung zu rügen und 
die Wiedererstattung des ihm dargeliehenen Geldes zu verlangen, wie 
aber nun Franziskus das letzte, das er noch besitzt, seine Kleider 
ablegt, sie dem bestürzten Vater darbietet und sich fortan, von dem 
frommen Bischof beschützt, der seine Blösse bekleidet, einzig dem 
Vater im Himmel gelobt. Wie sodann Innocenz III. im Traum den 
armen Ordensbruder die zusammenbrcchende Kirche stützen sieht, und 
sofort die Satzungen des von ihm gegründeten Bettelordens bestätigt. 
Nun folgen Wunderthaten des Gottesmannes und der Scinigen: Teufel. 
werden ausgetrieben, Üngläubige bekehrt, selbst vor dem Sultan be- 
währt Franziskus seine göttliche Sendung durch die Feuerprobe und 
macht die Götzendiener zu Schanden. Immer höher steigt schon bei 
Lebzeiten seine Verehrung; seine Jünger erblicken ihn in wunderbaren 
Visionen, wie er in einem himmlischen Wagen von Licht umstrahlt 
dahin fährt, oder in einer Wolke knieend von Gott selbst Unterweisung 
empfängt, dem h. Antonius von Arles bei der Predigt leibhaftig er- 
scheint, vor Allem aber, wie ihm in der Gebirgseinsamkeit Christus 
in Gestalt eines gekreuzigten Seraphs erscheint, um ihm seine Wund- 
male einzuprägen. Da letzteres Wunder schon damals auf hartgläubige 
Gemüther stiess, so durfte eine Entkräftung solcher Zweifelsucht auch 
in den Bildern nicht fehlen, und so liessen die klugen Mönche von 
Assisi darstellen, wie ein skeptischer Doctor, ähnlich dem ungläubigen 
Thomas, durch Berühren der Wunden mit dem Finger plöfZliCh in 
sich geht und bekehrt wird. Es fehlt sodann nicht an allerlei andern 
Wundern, Welche neben dem Tode, der Beisetzung und der Kanoni- 
sation des Heiligen den Cyclus schliessen. Es ist eine Mönchskunst, 
die sich hier breitentfaltet, zum Theil Unmögliches, ja Absurdes vom 
Künstler verlangend, dann jedoch wieder treifliche Gelegenheit zu 
lebensvoller, ja dramatischer Darstellung bietend. In dieser Hinsicht 
ist eins der köstlichsten Bilder jene Scene, wo Franziskus von seinem 
Vater bei den Behörden verklagt wird. Wie schön contrastirt das
        

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