Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265188
III. 
Kapitel. 
Gothische Epoche. 
115 
gern mit ihm verkehrt habe, um sich an den geistvollen und witzigen 
Antworten des Künstlers zu erfreuen. 
Im Jahre 1334; wie es Scheint, kehrte er nach Florenz zurück 
und wurde von den Behörden in ehrenvollster Weise mittelst Dekret 
vom 12. April zum Obermeister aller städtischen Bauten, namentlich 
des Werkes von Sta. Maria del Fiore, ernannt. Wie hoch er von 
seinen Landsleuten geschätzt wurde, erhellt genugsam aus dem Text 
Jener denkwürdigen Urkunde, darin es heisst: in Erwägung, dass 
siehe Unternehmungen nicht ehrenroll und würdig durchgeführt werden 
nnten, wenn nicht ein sachverstandigei" und berühmter Mann an die 
Spitze gestellt werde; da ferner auf der ganzen Erde keiner zu finden 
sei, der hierzu wie zu vielen andern Dingen geeigneter sei als Meister 
Giotto, der in seinem Vaterlande wie ein grosser Meister zu empfangen 
und hochzuhalten sei, und da, man ihm Aufträge ertheilen müsse, damit 
er hier seinen bleibenden Aufenthalt nehme, wodurch seine Wissen- 
schaft und Kunst möglichst Vielen zu Gute kommen und der Stadt 
zu nicht geringer Zierde gereichen werde, so übertrage man ihm die 
Oberleitung des Dombaues, die Errichtung und Vollendung der Stadt- 
mauern und Befestigungen und aller andern öffentlichen Werke mit einem 
angemessenen Gehalt, das man näher zu bestimmen sich Vorbehalte. 
Nur zwei Jahre dauerte diese Thätigkeit Giotto's, da er schon 1336 
starb; aber von der Energie und der hohen architektonischen Be- 
gabung des Meisters zeugt noch jetzt der Glockonthurm, der nach 
seinen Plänen ausgeführt wurde. Ja auch als Meister in der Bild- 
hauerkunst bewährte er sich dabei, da der plastische Schmuck dieses 
herrlichen Baues zum Theil von seiner Hand, jedenfalls aber nach 
seinen Zeichnungen ausgeführt wurde. 
Von den Lebensverhältnissen Giotto's ist uns im Üebrigen nicht 
viel bekannt; wir wissen nur, dass er verheirathet war und sechs 
Kinder hatte. Das von seinem Vater ererbte kleine Gut in Vespig- 
nano vergrösserte er durch weitere Ankäufe. Manche Anekdoten, die 
über ihn schon früh im Umlauf waren, zeigen ihn als einen witzigen 
schlagfertigen Mann von Geist und Einsicht, ja von einer Verstandes- 
schärfe, welche schon etwas Modernes hat. Ob das Einzelne dabei 
historisch sei, lässt sich nicht feststellen; jedenfalls aber galt er bei 
seinen Landsleuten für einen Mann, dem man dergleichen wohl zu- 
trauen könne. In dem merkwürdigen Gedicht über die Armnth, welches 
wir von ihm besitzen und das durch Rumohr an's Licht gezogen Ward, 
zeigt er sich als einen Mann von merkwürdiger Schärfe der Beobach-
        

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