Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265168
Giotto 
Bondone. 
Der grosse bahnbrechende Genius, von welchem die Neugestaltung 
der italienischen Malerei ausgehen sollte,- Wurde im Jahre 1276 als 
Sohn eines armen Landmannes Namens Bondone in dem Dorfe Ves- 
pignano unweit Florenz geboren. Vasari erzählt nach einer. alten 
Ueberlieferung, Cimabue sei einst des Weges gekommen und habe 
den Knaben bei seiner Heerde angetroffen, bemüht auf einem Steine 
ein Sehaaf nachzuzeiehnen. Ueberrascht von dem Talent des kleinen 
Giotto, habe er diesen von dem Vater erbeten und ihn mit sich ge- 
nommen, um ihn in der Malerei zu unterweisen. Nach einer andern 
Version hätte der Vater den Knaben zu einem Wollhändler in die 
Lehre gegeben; dieser wäre aber bei seinem Wege in's Geschäft stets 
bei Cimabue's Werkstatt stehen geblieben. Als nun der Vater einst 
auf die Erkundigung nach seinem Sohne bei dem Lehrherrn von 
diesem erfahren, dass derselbe sich seit langer Zeit gar nicht mehr 
blicken lasse, sei sein Verweilen bei den Malern an's Licht gekommen, 
und nun habe Cimabue ihn unter seine Schüler aufgenommen. 
Ob diese Anekdoten auf wirklichen Ereignissen beruhen, muss 
dahin gestellt bleiben; jedenfalls spricht sich in ihnen das historische 
Verhältniss ganz treffend aus, denn Cimaburfs Kunst ist es, an welcher 
sich die grössere und freiere Giotto's entwickelt hat. Schon sehr früh 
scheint dieselbe in ihrer Eigenthümlichkeit hervorgetreten zu sein, denn 
die 28 Bilder aus der Geschichte des h. Franziskus, welche man an 
den Langwänden der Qberkirche zu Assisi sieht, und in denen man 
wohl Jugendwerke Giotto's anzuerkennen hat, knüpfen in Technik 
und Auffassung an Cimabuds Wandgemälde an und lassen bei weiterem 
Fortschreiten eine wstufenmässige Entwicklung des jugendlichen Künst- 
lers gewahren. Wie früh dieser in weiteren Kreisen zu Anerkennung 
gekommen sein muss, beweist die verbürgte Thatsaehe, dass er von 
1298 bis 1300, also mit 22 Jahren, in Rom mit bedeutenden Auf- 
trägen beschäftigt war. Er musste dort im Auftrage des Kardinals 
Stefaneschi, eines Nepoten Ürban's VIII, nicht bloss die Apsis der 
Peterskirche ausmalen und obendrein eine grosse Altartafel ausführen, 
sondern auch für die Vorhalle der Kirche das berühmte Mosaik des 
Schiffes Petri entwerfen, Welches in stark restaurirtem Zustande noch 
vorhanden ist. Von dem Altarwerk sind einzelne Üeberreste in der 
Sakristei von St. Peter erhalten. Wie hoch schon damals Giomys 
Liibke, Italien. Malerei. I. B
        

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