Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265130
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Buch. 
Mittelalter. 
Das 
Den Inhalt dieser Kunst bilden noch immer so gut wie aus- 
schliesslich die religiösen Stoffkreise; aber dieselben erweitern sich 
bedeutend, da man sich nicht mehr darauf beschränkt, einzelne feier- 
lich thronende Gestalten Christi, der Madonna sammt einem Hof- 
Staat V011 Heiligen und Engeln vorzuführen, sondern ausführlich er- 
zählend, lebhaft sehildernd, den historischen Stoff der christlichen 
Üeberlieferung auffasst. Und auch da genügen nicht mehr die Ge- 
schichten des neuen Testaments, Leben und Leiden Christi und seiner 
Mutter, sondern die inzwischen von der gläubigen Phantasie reich aus- 
gebildete Legende der einzelnen Heiligen wird in wahrhaft unerschöpf- 
licher Weise mit hineingezogen. Auf diesem Felde lernt die italie- 
nische Malerei lebhaft und anschaulich erzählen, dramatisch schildern, 
und man fühlt bald, wie ihr der erregbare Geist der Nation dabei 
zu statten kommt. Nicht genug damit, wird nun aber durch die 
neuen Mönchsorden der Dominikaner und Franziskaner, durch ihre 
lehrhafte Richtung, durch ihre vielfach hervortretenden do matisch- 
scholastisehen Gegensätze dieser Kunst auch die Sucht nach SÄJlJOllSClI- 
allegorischen Darstellungen, nach Versinnlichung spitzfindiger Lehrbe- 
griife eingeimpft, an deren Bewältigung sieh selbst die Kraft der grössten 
Meister stumpf und lahm arbeitet. Besonders gilt dies von den Domi- 
nikanern, deren scholastisches Lehrgebäude, wie es in Thomas von 
Aquino gipfelt, der Kunst nicht selten die wunderlichsten Aufgaben 
stellte. Dieser Scholastizismus ist nicht unter dem sonnig heiteren 
Himmel Italiens gewachsen; sowohl bei Dante wie bei den Malern er- 
scheint er als ein fremdes Element, das aus nordischen Nebeln her sich 
in die tageshelle Anschauung des Südens verirrt hat. Aber die ge- 
sunde Lebenskraft, die plastisch klare Anschauung Italiens weiss auch 
dieses starre Element zu sehmeidigen und die trockensten dogmatischen 
Allegorien mit Anmuth, Würde und Schönheit zu umkleiden. S0 er- 
wächst denn in der Malerei schon jetzt dasjenige Ausdrucksmittel, 
welches den religiösen Inhalt der Zeit in seiner ganzen Tiefe und Fülle 
zur Erscheinung bringt. 
Was die Gesammtform dieser grossräumigen Werke betrifft, so 
unterscheidet sie sich gegensätzlich von den früher allgemein üblichen 
Mosaiken. Schon dass der Goldgrund jetzt bei den monumentalen 
Werken verlassen wird und an seine Stelle ein dunkelblauer Hinter- 
grund tritt, der an den Gewölben mit goldenen Sternen wie das Him- 
melszelt durchwirkt ist, verleiht diesen Werken einen ganz andern 
Charakter. Bei den Mosaiken heben sich die Gestalten als dunklere
        

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