Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265112
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Buch. 
Mittelalter. 
Das 
die selbst bei so gewaltigen Bauten wie S. Croce zu Florenz sich 
geltend macht, entspricht dieser Tendenz. Alles wird klarer, verstän- 
diger, übersichtlicher, denn schon damals ist das Ideal der italienischen 
Kunst nicht ein einseitig architektonisches wie im Norden, sondern es 
geht auf eine grosse Gesammtkunst hinaus, in welcher die Plastik und 
vor allem die Malerei ihr Wort mitzureden haben. 
Ueberblickt man die Reihe der Bauten, die damals in Italien ent- 
standen, so erkennt man sofort, dass wohl eine gesteigerte religiöse 
Empfindung in ihnen zum Ausdruck kommt, dass aber daneben nicht 
minder stark der schon früher beobachtete Ruhmsinn, der patriotische 
Wetteifer, die leidenschaftliche Liebe zur eigenen Stadt sich geltend 
machen, Nur in Italien konnte damals schon bei einer kirchlichen 
Stiftung eine Gesinnung zum Ausdruck kommen wie jene des Gross- 
seneschalls Niccolo Acciajuoli, der sein ganzes Vermögen auf die Stif- 
tung der Karthause bei Florenz verwendete, indem er hinzufügte: 
„Wenn die Seele unsterblich ist, wie der Herr Kanzler sagt, so wird die 
meinige, wo ihr auch der Aufenthalt angewiesen werden mag, sich dieser 
Stiftung erfreuen." Stolzer Ruhmsinn zeigt sich in den grossen Domen, in 
deren Errichtung, besonders seit dem Ausgang des 13. Jahrhunderts, die 
mächtigen Städte mit einander wetteifern: Florenz beginnt 1290 und 
bezeugt in den Berufungsdekreten der grössten Meister, eines Arnolfo 
und Giotto, welche Wichtigkeit die Stadt diesem Unternehmen als 
einer künstlerischen Angelegenheit beilegte. Siena errichtet wohl noch 
etwas früher seinen edlen Dom, dem dann später (seit 1340) jene ge- 
waltigen Pfeiler- und Bogenhallen hinzugefügt wurden, denen der vor- 
handene Bau nur als Querschiii" dienen sollte. Aehnlichen Wetteifer 
bezeugen die köstlichen mosaikstrahlenden Marmorfacaden zu Siena 
und Orvieto; nicht minder der edle Bau des Camposanto zu Pisa 
(seit 1278), mit welchem die Stadt die wundervolle Baugruppe ihres 
Doms, Campaniles und Baptisteriums zum feierlichen Abschluss brachte. 
Kleinere Städte wie Arezzo, Lucca und viele andere bleiben nicht 
zurück, und Bologna endlich beginnt mit S. Petronio (seit139O) einen 
Bau, der nach den Plänen und der Absicht der Stadt alles Vorhan- 
dene an Macht und Grösse überragen sollte. Nicht minder wetteifern 
die beiden neu erstandenen Orden der Franziskaner und Dominikaner 
mit einander, wie man an S. Croce und S. Maria Novella zu Florenz, 
an den beiden Ordenskirchen von Siena, an S. Maria de' Frari und 
S. Giovanni e Paolo zu Venedig sowie an vielen anderen Orten er- 
kennen kann. _Dazu kommt endlich noch die Ruhmbegier einzelner
        

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