Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263831
VI 
Vorwort, 
künstlerischen Schöpfungen oft in ein einziges Wort zusammendrängt und, 
obwohl nur auf die in Italien befindlichen YVerke beschränkt, für die Er- 
kenntniss der gesammten italienischen Kunst eine kaum zu entbehrende An- 
leitung gewährt.  
Wie weit es n1ir nun gelungen ist, den gewaltigen Stoff zu bemeistern 
und in knappe, dabei lebensvolle Form zu bannen, mögen diejenigen beur- 
theilen, welche die Schwierigkeit einer solchen Aufgabe zu ermessen im Stande 
sind. Ich habe aus eigener Anschauung meine Eindrücke und Urtheile ge- 
schöpft, so dass fast ausschliessliclm, in allen wichtigen Fällen ausnahmslos, 
meine Darstellung auf den vor den Kunstwerken niedergeschriebenen Aufzeich- 
nungen beruht. Gleichwohl bin ich weit entfernt, meine Auffassung als die 
alleinrichtige hinzustellen. In Beziehung auf feste objektive Gültigkeit ihrer 
Aussprüche muss die Kunstgeschichte sich überhaupt behutsam zurückhalten. 
Nie wird sie die Bestimmtheit und Allgemeingültigkeit gewinnen, welche der 
Naturwissenschaft in ihren Untersuchungen zu erreichen möglich ist. Was 
der Menschengeist geschaffen, trägt so sehr das Gepräge subjektiven Empfin- 
dens, dass es auch in der Würdigung der stärksten individuellen Färbung 
ausgesetzt ist. Gilt dies weit weniger im Gebiet der Architektur und Plastik, 
weil dort eine messbare und greifbare Formenwelt vor uns hintritt, so ist es 
um so entschiedener bei den Schöpfungen der Malerei der Fall, die mit ihrem 
Farbenreiz, mit dem Spiel von Licht und Schatten ein täuschendes Spiegelbild 
der WVirklichkeit auf die Fläche wirft. Wer öfter demselben Gemälde zu 
verschiedenen Zeiten seine Aufmerksamkeit gewidmet und die jedesmaligen 
Eindrücke vor dem Bilde zu iixiren gesucht hat, wird oft die Erfahrung ge- 
macht haben, Wie sehr die verschiedenen Phasen der eigenen Entwicklung 
dabei zu Modificationen selbst im Urtheil führen. Dazu kommen noch alle 
jene äusseren Zufälle, die durch Ort und Zeit, Gunst oder Ungunst der Be- 
leuchtung, körperliche und geistige Disposition des Betrachtenden hervorgerufen 
werden, so dass ein objektives Urtheil mehr als irgendwo erschwert wird. 
Und rechnet man dazu noch die Unbill, welche die Zeit und die Hand der 
Menschen so oft an den Werken der Malerei ausgeübt haben, so begreift man, 
wie bescheiden wir bei der Beurtheilung der vHandschriftc der Meister sein 
müssen, wie behutsam und zurückhaltend wir mit dem Aussprechen von 
Urtheilen sein sollen, die doch nur das Ergebniss subjektiv bedingter Wahr- 
nehmungen sind. Und so dürfte sich's wohl als ein Verkennen der Gränzen 
kunstgeschichtlicher Betrachtung herausstellen, wenn man, wie es neuerdings 
manchmal den Anschein gewinnt, die objektive Bestimmtheit naturwissen- 
schaftlicher Erkenntniss auch auf diesem Felde erreicht zu haben wähnt. 
Besondere Sorgfalt habe ich auf Auswahl und Herstellung der Illu- 
strationen verwandt. Da dieselben aber begreiflicher Weise nur eine Anzahl 
bezeichnender Beispiele herausgreifen können, so zähle ich die wichtigsten 
bildnerischen Hülfsmittel auf. Abgesehen von den zahlreichen Galeriewerken
        

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