Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265073
Drittes 
Kapitel. 
Gothische 
Epoche 
(Von 
1300- 
Die Zeit war gekommen, wo das Mittelalter seinen Höhepunkt 
erreichen und sein Ideal in mächtigen Gestaltungen künstlerisch aus- 
sprechen sollte. Den germanischen Nationen, Deutschland, mehr noch 
dem stark germanisirten nordöstlichen Frankreich, ward die Mission zu 
Theil, die mittelalterliche Weltanschauung am schärfsten auszuprägen 
und denjenigen Stil zu schaffen, der als das eigentliche Kind jener 
Zeit sie am reinsten vertritt: den gothischen. Die letzten antiken 
Reminiscenzen, welche in der romanischen Architektur, Plastik und 
Malerei sich noch erhalten _hatten, wurden nunmehr dort abgestreift, 
und das architektonische Ideal des Mittelalters im Spitzbogenstil mit 
seinem kühnen Gewölbsystem verwirklicht. Alle produktive Kraft der 
Zeit strömte in die Architektur, und so gering war die Begeisterung 
für die menschliche Gestalt, dass diese nur noch als Ornament der 
alles an sich reissenden Baukunst zur Verwendung kam. Die Wand- 
malerei verschwindet fast gänzlich und verkümmert zur Glasmalerei, 
die als eine neue Art von Mosaik die Kunst wiederum in Fesseln 
schlägt. Selbst der herrliche plastische Schmuck französischer Kathe- 
dralen beweist, wie sehr auch die bildnerische Kraft der Zeit sich 
unter das Joch der Architektur beugen musste. So mächtig aber war 
diese Strömung, dass selbst Italien sich ihr nicht ganz zu entziehen ver- 
mochte. Der klare olfne Realismus antiker Anschauung tritt zurück 
vor dem scholastisch grüblerischen Tiefsinn und der träumerischen 
Phantastik des Nordens: der gothische Stil bricht sich Bahn und 
schafft schon seit der Mitte des 13. Jahrhunderts, mehr noch im Laufe des 
14. eine Reihe grossartigei" Werke. Diese ganze Entwicklung ist wie 
ein fremder Tropfen im Blute der italienischen Nation; aber unterstützt 
von der künstlerischen Zeitströmung, die vom Norden mit Macht sich
        

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