Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1265038
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Buch. 
Mittelalter. 
Das 
gemacht. Noch eine andre Tafel für Sta. Trinita und weitere für 
Lucca, Pisa, Pistoja, ebenso das Altarbild für die Kapelle des Palazzo 
PubbIiCO zu Sißna (C1302) sind sämmtlich verschollen. Nur ein einziges 
seiner Werke ist uns übrig geblieben, dieses aber die bedeutendste 
Schöpfung, mit Welcher die Kunst der romanischen Epoche ihren 
denkbar höchsten Gipfel erreicht. Es ist die kolossale Tafel für den 
Hochaltar des Doms, welche laut Contrakt vom 9. October 1308 ihm 
übertragen wurde. Wie hoch die städtische Behörde ihn schätzte, 
erkennt man aus den ehrenvollen Bestimmungen dieses Dokuments: 
Alle Materialien werden ihm geliefert, so dass er nichts als seine Person 
und seine Arbeit einzusetzen hat. Statt eines vorher bestimmten 
Preises wird ihm ein Lohn für jeden Tag, den er daran gearbeitet, 
zugesichert; dagegen verspricht er zu malen „so gut er könne und 
wisse und der Herr ihm vergönnen werde". Als das Werk vollendet 
war, wurde es im Triumph von der ganzen Stadt unter Assistenz des 
Klerus und der Behörden aus der Werkstatt des Künstlers abgeholt 
und unter Glockengeläut und Trompetenklang in feierlicher Prozession 
mit Kerzen in den Dom gebracht. Noch sind die Stadtrechnungen 
vorhanden, in welchen der Lohn für Trompeter, Paukenschläger und 
Pfeifer verzeichnet ist. Es war ein Festtag für die ganze Stadt, alle 
Kaufläden waren geschlossen, und die Chronisten wetteifern in Schil- 
derung all der Herrlichkeit und rühmen das Bild als das schönste, 
welches man je gesehen. Ueber 3000 Goldgulden habe die Tafel ge- 
kostet, eine für jene Zeit bedeutende Summe. 
Das grossartige "Werk ist noch vorhanden, wenn auch nicht mehr 
in seinem alten Zustande. Denn da der Altar unter der Kuppel frei 
stand, so war die Tafel vorn und auf der Rückseite bemalt, wurde 
dann aber bei der Verlegung des Altars auseinander gesägt, so dass 
jetzt die Vorderseite im nördlichen, die Rückseite im südlichen Quer- 
schiff aufgestellt ist, Predella. und Griebelbilder aber in der Sakristei 
bewahrt Werden. Die Vorderseite zeigt in kolossaler Grösse die Ma- 
donna, das mit einem Hemdchen bekleidete Kind auf dem Schoosse 
haltend. Zu beiden Seiten eine Schaar anbetender Engel und Heiligen 
sammt den Aposteln, reihenweise angeordnet noch in strenger Haltung, 
aber schon voll Schönheit, die Madonna selbst von grossartiger An- 
muth. Auf der Rückseite schildert der Künstler in 26 kleineren 
Bildern die Passion des Herrn, vom Einzuge in Jerusalem bis zu dem 
Gange nach Emmaus. Hier tritt bei der Mannigfaltigkeit des Inhalts 
eine Fülle von Leben, ja bereits von freier Schönheit in die Kunst.
        

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