Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263828
W 
Vor 
Seit Jahren hegte ich die Absicht, eine Geschichte der italienischen 
Malerei zu schreiben, allein andre Arbeiten, namentlich die Werke über die 
französische und deutsche Renaissance, drängten die Ausführung meines Planes 
zurück Doch war der Reiz dieser schwierigen, aber schönen Aufgabe so 
gross, LiLSS ich stets von Neuem mich dazu hingezogen fühlte. Ueber drei 
Decennien umfasst meine Beschäftigung mit diesem reichen Stoff, dessen 
Anschauung mir zuerst in der lehrreichen Gemäldegalerie des Berliner Mu- 
seums aufging. Dazu kam, dass ich seit dem Jahre 1861 stets von Neuem 
durch Behandlung desselben in meinen Vorlesungen in Zürich und Stuttgart 
mit ihm mich eingehender zu befassen Anlass fand, und dass Wiederholte 
längere Aufenthalte in Italien mich immer genauer mit ihm vertraut machten. 
S0 kehrte ich denn immer wieder zu der öfter unterbrochenen, ja fast auf- 
gegebenen Arbeit zurück, von welcher nun endlich der erste Band abge- 
schlossen vorliegt.  
Das Buch wendet sich" "nicht an den kleinen Kreis der Kunstgelehrten, 
sondern an die Gemeinde der kunstsinnigen Laien, die sichtlich von Tag zu 
Tage wächst. Von literarischen Darstellungen desselben Thema's können, da, 
Lanzi's verdienstliches Werk durch neuere Forschungen vielfach überholt ist, 
nur zwei noch im Ernst genannt werden: Jacob Burckhardfs Cicerone und 
Growe-Cavalcasellefs epochemachendes, durch M. Jordans Bemühung auch in 
deutscher Bearbeitung vorliegendes Werk. Was letzteres für die gründliche, 
erschöpfende Behandlung des Gegenstandes geleistet hat (obwohl die Meister 
der höchsten Blüthezeit, Lionardo, Michelangelo, Rafael, Correggio noch aus- 
stehen), braucht Kundigen nicht gesagt zu werden. Selbst die vielleicht etwas 
Zu sehr die technische Seite betonende Betrachtung hat ihren bleibenden 
Werth gehabt, weil sie einer lediglich ästhetisirenden Auffassung, die in solchen 
Dmgen S0 leicht das Uebergewicht gewinnt, ergänzend gegenübertrat. Nach 
ganz andrer Seite liegt das Schwergewicht von Jacob Burckhardfs meister- 
haftem Buche, das in unvergleichlicher Feinheit den tiefsten Lebensgehalt der
        

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