Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264941
Kapitel. 
Epoche. 
Byzantinisch-Romanische 
93 
namhaften Schöpfungen der Tafelmalerei in Italien. In dieser Gattung 
sollte sich fortan das intimere, feinere Seelenleben der Kunst aus- 
sprechen, während die monumentale Wandmalerei in mehr epischer 
Weise die Welt der Erscheinungen und deS Geschehens zu schildern 
hatte. Als das Bild vollendet War, wurde es, wie Vasari erzählt, vom 
ganzen Volke in feierlicher Prozession aus der Werkstatt des Künstlers 
abgeholt und in die Kirche getragen. Dass in der That den Zeit- 
genossen eine solche Schöpfung als etwas Ausserordentliches erscheinen 
piulsste, ist wohl zu begreifen, und dsass schon damals die erregbaren 
taiener lebhaften Antheil an den chö funven der Kunst n 
ist nicht minder verbürgt. Höchst unwahfscheiinlich dagegen dighäsigld: 
dass Carl von Anjou bei seinem Besuche in Florenz unter grossem 
Zulauf des Volkes nach der Werkstatt des Meisters gegangen sei, um 
diesen, Während er an dem Bilde arbeitete, zu besuchen. 
Ueber die Arbeiten, Welche Cimabue in der mittleren Zeit seines 
Lebens in S. Francesco zu Assisi ausgeführt hat, sind Wir nicht 
genau unterrichtet, und bei der starken Zerstörung dieser Werke ist 
ein Urtheil über das Einzelne sehr erschwert. Bald nach dem Tode 
dieses Heiligen, der mitten in einer üppigen Zeit durch sein Leben 
das Vorbild frei gewählter Armuth und Demuth gegeben hatte, be- 
gannen seine Anhänger (1228) über der Felsengruft, welche sein Grab 
umschloss, einen prachtvollen Tempel aufzuführen, der über einer 
feierlichen gruftartigen Unterkirche die schlanken Wölbungen der 
Oberkirche in den Formen des kürzlich entstandenen gothischen Stiles 
sich erheben liess. Die Kirche ist also das früheste Denkmal der 
Gothik in Italien, zugleich das erste Zeugniss von der neuen architek- 
tonischen Entwicklung, Welche durch den Wetteifer des Bettelordens 
mit dem Predigerorden der Dominikaner heraufgeführt wurde. Bezeich- 
nend bleibt, dass ein deutscher Meister Jacob für die Ausführung 
berufen wurde und dass namentlich aus Deutschland reichliche Beiträge 
zum Bau flossen, so dass dieser schon 1253 eingeweiht Wurde. Mächtig 
steigen noch jetzt die schlanken Formen der Kirche sammt den gewaltig 
ausgedehnten Massen des Klosters mit seinen Thürmen, Arkaden und 
Loggien wie eine geistliche Burg des Mittelalters den steil aufragenden 
Höhenzug säumend, empor. Das ganze Innere dieses erhabenen Tem- 
pels wurde nun im Weiteren Verlauf des Jahrhunderts bis tief in's 
folgende hinein an allen Wänden und Gewölben der Unter- und Ober- 
kirche mit Wandgemälden bedeckt, für welche man nicht mehr die 
vornehme Kunst des Mosaiks, sondern die volksthümliche Wandmalerei
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.