Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264905
Kapitel. 
Byzantinisch-Romanische 
Epoche. 
89 
zum Durchbruch kommt. Hier ist Christus stehend von Cherubim und 
SeraPhim umgeben dargestellt, von den neun Chören der Engel ver- 
ehrt. Mit Sceptern und in ehrfurchtsvoller Beugung- erscheinen die 
Dominationes-, in völlig antiker Rüstung die Potestates) in reichen 
Priestergewändern die Arcangeli, in hastig eilender Bewegung sym- 
metrisch von einander abgewendet die Angeli, in reichem byzaww 
nischem Hofkostüm die Principatus; sodann die Virtutes, vor denen 
jedesmal eine kleine menschliche Figur sitzt, aus deren Munde ein 
Teufel entweicht, endlich die Throni, geneigten Hauptes ihre Diademe 
darbietend. Alle diese Gestalten sind grossartig, aber noch völlig starr 
byzantinisirend. 
Der übrige Theil der Wölbung ist so gegliedert, dass das West- 
liche Feld ganz durch einen kolossalen Christus in der Mandorla, als 
Weltrichter auf dem Regenbogen thronend, eingenommen wird. Die 
rechte Hand ist geöffnet, die linke wie abwehrend ausgestreckt. Auch 
hier ist das Heilige durch völlige Regungslosigkeit und Starrheit aus- 
gedrückt. In den unteren Ecken beginnt nun die Darstellung des 
Weltgerichts, welche in drei Abtheilungen über einander die beiden 
Nebenfelder ausfüllt. Man sieht Todte mit lebhafter Bewegung aufer- 
stehen, einerseits von Engeln, andrerseits von Teufeln empfangen. Zwei 
mächtige posaunenblasende Engel, sowie andre mit den Leidenswerk- 
zeugen füllen die obere Abtheilung; in der mittleren sind die Apostel, 
Maria und Johannes ruhig nebeneinander sitzend dargestellt. In der 
untern Abtheilung sieht man einerseits drei Patriarchen mit Seligen 
im Schoosse sitzen; ein Engel führt die Auserwählten der Himmelsthür 
zu, hinter welcher ein andrer Engel erscheint. Andrerseits thut sich 
die Hölle mit phantastischen Teufelsfratzen auf, wo die Verdammten 
durch lebendige Bewegungen und den Ausdruck der Verzweiflung 
hervortreten.  
Alle übrigen Kuppelfelder haben eine vierfache Streifentheilung, 
die einzelnen Scenen werden durch gemalte Säulen geschieden. Hier 
wird nun in viel entwickelterem Stil, freilich von verschiedenen Händen, 
die ganze heilige Geschichte, von der Schöpfung der ersten Menschen 
bis zum Tode Johannes des Taufers, lebendig und anschaulich erzählt. 
Man sieht das allmähliche Auftauchen eines freieren Stiles, Natur und 
Anmuth treten hervor, und die Würde der Gestalten ist nicht mehr 
die starr byzantinische, sondern eine neue, selbsterschatfene. An diesen 
späteren Werken hat eine Reihe jüngerer Künstler, die sich in der 
Schule Andrea's gebildet hatten, ohne Frage den bedeutendsten Antheil.
        

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