Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264892
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Buch. 
Mittelalter. 
Das 
kreuzigten, der von wehklagenden Engeln umschwebt wird, zeigt eine 
ergreifende Innigkeit des Ausdrucks, welche dem Meister eine höhere 
Bedeutung einräumen würde als jene Kruciflxe. Andere Wandgemälde 
in S. Pietro in Grade zu Pisa lassen wenigstens eine ähnlich byzan- 
tinisirende Richtung erkennen. Was sonst noch an Kruciiixen und 
anderen Tafelbildern im Campo Santo und in der Academie zu Pisa 
bewahrt wird, gehört verwandter Richtung an.  
Auch in Florenz, das fortan immer bedeutsamer in die Kunst- 
geschichte eintritt, entsteht um diese Zeit ein ansehnliches Werk der 
Mosaikmalerei in der Altarapsis des Baptisteriums, 1225 laut in- 
schriftlichem Zeugniss von dem Franziskanermönch lFra Jacopo aus- 
geführt. Ein Kreuzgewölbe auf vier korinthischen Säulen bedeckt den 
schmalen rechteckigen Raum, aus dessen Ecken sich wunderlich ge- 
staltete Felder entwickeln, deren Abschluss gemalte korinthische Kapitale 
bilden. Auf diesen knieen jugendliche Gestalten in kurzen Röcken, 
welche mit Kopf und Armen ein grosses Medaillen unterstützen. 
Zwischen ihnen sieht man einerseits die thronende Madonna mit dem 
Kinde, grossartig und mit edel angeordneter Gewandung, die Gesichter 
leider stark restaurirt, andrerseits die ascetisch herbe Gestalt Johannes 
des Täufers. Der grosse von jenen Figuren gehaltene Kreis zerlegt 
sich sodann, von elegantem romanischem Laubwerk eingefasst, in acht 
Felder, welche von aufsteigenden Arabesken getheilt werden, nach oben 
in Engeliiguren auslaufend. Diese halten nach einem wiederholt in der 
altchristlichen Kunst auftretenden sinnigen Gedanken ein Medaillen 
mit dem Lamm Christi. Auf den Zwischenfeldern erheben sich acht 
strenge Prophetengestalten. Das Ganze ist ein Werk, welches mehr 
der altchristlichen als der eigentlich byzantinischen Richtung angehört. 
Die ausführliche Inschrift ermangelt nicht, den Künstler zu nennen 
und ihn als einen vor allen andern hervorragenden zu rühmen. („In 
tali pre cunctis arte probatus").  
In etwas späterer Zeit fügte Andrea Tafi, der urkundlich bis 
1326 vorkommt, die grossartigen Mosaiken der Kuppel hinzu, in 
welchen zwar mancherlei byzantinische Elemente wieder auftauchen, 
aber doch mit allmählich hinzutretenden Zügen einer freieren Auffas- 
sung gemischt. Diese Bilder beginnen im Scheitel mit einem breiten 
Ornamentkranz von Blumen, Ranken und Thieren, welcher idie kleine 
Laterna einfasst. An diesen schliesst sich ein zweiter Kreis, durch 
gemalte Säulen in Felder eingetheilt, wobei in der reichen Verzierung 
der spiralförmigen, gerippten, gewundenen Schäfte der romanische Stil
        

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