Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264833
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I. Buch. 
Mittelalter. 
Das 
Gefühles, als der stolze bürgerliche Ruhmsinn, der es allen Anderen 
zuvorthun will. Ewig denkwürdig bleibt der Beschluss der Florentiner 
Stadtgemeinde beim Neubau von S. Maria del fiore: _„in Erwägung 
dass die grösste Klugheit eines Volkes von hoher Abkunft darin be- 
stehe, in Seinen Unternehmungen also zu verfahren, dass aus seinen 
öffentlichen Werken sich ebensosehr sein weises wie sein hochherziges 
Handeln kund gebe, wolle man einen Bau in jener höchsten und er- 
habensten Pracht herstellen, dass alle Kunst und Macht der Menschen 
nichts Grösseres noch Schöneres hervorbringen könneß Und so füllen 
sich die Städte Italiens etwa seit der Mitte des 12. Jahrhunderts, 
nachdem einzelne wie Pisa, Venedig, Amalfi schon vorangegangen 
waren, mit Kirchen und Baptisterien, sowie mit öEentlichen Gebäuden 
jeder Art, Welche in ihrer Gestaltung theils wie z. B. S. Miniato und 
das Baptisterium zu Florenz eine klassisch umgebildete Architektur, 
eine Art von Protorenaissance zeigen, theils wie die meisten Bauten 
Oberitaliens, wie die Baptisterien von Parma, Piacenza u. a. eine 
starke Umbildung im Sinne des romanischen Stiles Deutschlands zeigen. 
Und an diesen Bauten erhebt sich endlich auch die Plastik zu neuem 
Leben und bringt Werke hervor wie die lebensvollen eines Benedetto 
Antelami zu Parma oder die aus neuen klassischen Studien geschöpften 
Arbeiten eines Niccolo Pisano. 
Derselbe Wetteifer führt nun auch zu einer Erneuerung des 
wissenschaftlichen Lebens. Es ist wieder charakteristisch für den ita- 
lienischen Geist, dass hier nicht wie im Norden die Pflege der Wissen- 
schaften von den Klöstern ausgeht, sondern von den Universitäten, 
welche schon seit dem 12. Jahrhundert einzelne Städte in's Leben 
riefen, und die dann ebenfalls ein Gegenstand municipalen Ruhmsinnes 
wurden. Und während die einzige frühmittelalterliche Universität dies- 
seits der Alpen, die Pariser, ausschliesslich der Theologie gewidmet 
ist und der Hauptsitz der Scholastik wird, ist es abermals bezeichnend, 
dass bei den italienischen Universitäten Medicin und Jurisprudenz in 
erster Linie stehen. Schon im 12. Jahrhundert war die Universität 
von Salerno durch ihre medicinische Eacultat in der ganzen Welt so 
berühmt, dass ihre Grundsätze überall maassgebend Wurden. Bologna, 
das 1158 durch Friedrich Barbarossafseine Privilegiem erhielt, ward 
die erste Facultat für Rechtsgelehrsamkeit, zu welcher die Lernbegie- 
rigen aus allen Ländern strömten, so dass oft gegen 10,000 Studenten 
gezählt wurden. Modena folgte 1189, Vicenza 1204, Arezzo 1215, 
Padua, das zum ersten Male die gesammten Wissenschaften gleich-
        

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