Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264824
Kapitel. 
Byzantinisch-Romanische 
Epoche. 
Dennoch darf man nicht wähnen, es habe den Italienern an einer 
tieferen Empfindung, an der Kraft eines leidenschaftlich erregten Ge- 
fühles gefehlt. Im Gegentheil; nur dass es einen ganz anderen Inhalt 
suchte und fand. Im Norden vermochte die theokratisehe Idee des 
Mittelalters schwärmerische Verehrer, das Papstthum glühende An- 
hänger zu finden, weil die räumliche Entfernung demselben in den 
Augen der Menschen einen idealen Schimmer verlieh. In Italien, wo 
man die Päpste in unmittelbarer Nähe hatte, und wo dieselben durch 
die politische Rolle, Welche sie zugleich als Weltliche Herrscher spielten, 
ihr rein geistliches Ansehen gar oft verscherzten, war von einer Solchen 
Hingebung nicht die Rede. Ebensowenig war eine grössere politische 
Macht erstanden, welche die Gemüther an sich zu fesseln vermocht 
hätte. Um so ausschliesslichei- wirft sich daher die tiefere Empfindung 
in das einzige Pathos des damaligen Italieners: die Liebe zur Vater- 
stadt. Dies war das einzige Staatswesen, welches ihm nahe stand; 
mochten republikanische Verfassungen, das Ideal der damaligen Mensch- 
heit, oder mochten Usurpationen von Gewalthabern, wie es so oft 
vorkam, dem öffentlichen Leben seine Form geben: unter allen" Um- 
ständen ist leidenschaftliche Liebe zur eigenen Stadt, die selbst aus 
den zürnenden Flammen des Hasses hervorlodert wie bei Dante, das 
höchste im Leben der damaligen Italiener. Aehnlich wie einst bei den 
Griechen, nur durch die Heftigkeit der Partei- und Verfassungskämpfe 
vielleicht noch verschärft, äussert sich diese Gesinnung; und ähnlich 
glänzende Erscheinungen sollte sie auch hervortreiben. 
Vor allem ist es der Geist wetteifernden Ehrgeizes, der alle jene- 
städtischen Gemeinwesen durchdringt und sie bis zu den kleinsten 
herab unablässig streben lässt, einander durch öffentliche Werke zu 
überbieten. Mit dem Sinn für das Zweckmässige, Praktische geht 
schon früh ein hohes Gefühl für edle monumentale Gestaltung des 
gesammten äusseren Lebens Hand in Hand. Man beginnt Wie in 
der antiken Römerzeit mit Wasserleitungen, Kanalisationen, Bädern, 
Strassenpflasterungen, so dass bald in allen diesen Dingen der öffent- 
lichen Gesundheitspiiege Italiens Städte denen der übrigen Länder 
weit voranstehen. Daran schliesst sich aber ein höheres Streben nach 
dem Schönen, nach Schmuck und Glanz der Stadt, welches freilich 
erst im weiteren Verlauf des 13. Jahrhunderts so imposante Bauten 
wie die Rathhäuser von Piacenza und Cremona, wie die Broletti von 
Como, Monza, Bergamo hervorbringen sollte. Aber selbst im Kirchen- 
bau offenbart sich Weit weniger der Ausdruck eines erregten religiösen 
Lübke, Italien. Malerei. I. 6
        

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