Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264794
Buch 
Mittelalter. 
Das 
neue Testament, die Heilslehre von der Erlösung in umfangreichen 
Darstellungen auf allen Gewölbflachen aus. In der Hauptapsis sieht 
man den thronenden Erlöser, unter ihm zwischen den Fenstern die 
Evangelisten. Noch einmal kehrt er wieder über dem Haupteingang, 
begleitet von Maria und dem h. Marcus: so bildet er Anfang und Ende 
des Ganzen. Die drei Kuppeln des Mittelschiffes sind sodann der 
Schilderung der Dreieinigkeit gewidmet: östlich Gottvater, in der Mitte 
Christus, westlich der h. Geist, sämmtlich von einer ganzen Schaar 
von Aposteln, Heiligen, Engeln und Tugenden umgeben, welche letz- 
teren man von der geweihten Siebenzahl auf sechzehn erhöht hat. 
Gerade in diesen Gestalten tritt in eigenthümlich poetischer Weise ein 
Anklang an antike Figuren, an Göttinnen, Musen u. dgl. anziehend 
hervor. Am meisten byzantinischen Eindruck machen in den Kuppeln 
des Querschiffs die Scenen aus dem Leben Christi mit ihren überlangen 
Gestalten und der etwas gezierten Feierlichkeit des Ausdrucks. In 
den Seitenschiffen begleiten die Martyrien von Heiligen, namentlich 
des Petrus und der übrigen Apostel die Hauptdarstellungen, diese zum 
Theil in einem derberen Stil, der immer noch einzelne Byzantinismen 
und selbst Anklänge an die Antike enthält, im Wesentlichen aber einer 
mehr selbständigen einheimischen Kunst des 13. Jahrhunderts ange- 
hört. Das Ganze dieses grossartigen Bildercyclus stellt sich in echt 
mittelalterlichem Geist als gemalte biblia pauperum dar, als kolossales 
aufgeschlagenes Bilderbuch für die „Armen im Geistea, die des Lesens 
unkundig sind. 
Die Thätigkeit dieser byzantinischen Schule beschränkt sich je- 
doch nicht auf Venedig; sie verbreitet sich über die nächste Umgebung 
und dringt selbst in weitere Kreise vor. Der Dom von Torcello, 
eine wohlerhaltene altchristliche Basilika, zeigt ein grosses Mosaik in 
der Apsis, welches in streng byzantinischer Weise mit griechischer 
Beischrift die Muttergottes mit dem Kinde stehend zeigt, neben ihr 
zu beiden Seiten mehrere Heilige, darunter die zwölf Apostel in herb 
typischer Auffassung, vielleicht noch Arbeiten vom Anfang des 11. J abr- 
hunderts. In derselben Kirche ist sodann an der Westwand als feier- 
liche Warnung das jüngste Gericht dargestellt; ausserdem die Kreuzigung 
Christi, sein Hinabsteigen zur Unterwelt und die Auferstehung. Diese 
Werke tragen das Gepräge des Byzantinismus, wie er etwa im 12. 
und 13. Jahrhundert auch in S. Marco vorkommt. Streng byzantinisch 
ist auch das Mosaik in denApsis des Doms zu Murano, Welches 
ebenfalls die Muttergottes mit dem Kinde in gewaltiger Grösse und
        

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