Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264785
II. Kapitel. 
Byzantinisch-Bomanische Epoche. 
musivische Bilder mit J agdscenen, Thieren aller Art, Pfauen, Schwänen, 
Löwen, Tigern 11- dglv von Prachfvollster Wirkung und hohem deko- 
rativem Reiz. 
Mit dem Ausgang des 12. Jahrhunderts erlischt, wie es scheint, 
diese glänzende Kunstpflege, ohne irgend auf das benachbarte Festland 
einen Einfluss zu gewinnen. Etwas anders verhält es sich mit der 
zweiten byzantinischen Enklave auf italienischem Boden, die zwar eben- 
falls fast insularisch abgeschlossen liegt, aber doch stärkere Einwir- 
kungen auf ihre Umgebung äusserte. Es ist Venedig. Hier hatte 
seit dem Beginn des '11. Jahrhunderts der Neubau von S. Marco den 
Anbruch eines glanzvollen künstlerischen Tages bezeichnet. Aber 
während die Normannen auf Sicilien sich nur für die malerische Aus- 
stattung griechischer Künstler bedienten, wurde bei der Marcuskirche 
sogar der architektonische Plan von Byzanz entlehnt, der dortige 
Üentralbau sammt den Kuppelwölbungen herüber genommen. Und so 
erhob sich die Kirche mit ihren fünf hochragenden Kuppeln aus den 
Lagunen, wie eine Fata Morgana die phantastischen Prachtwerke des 
Orients spiegelnd. Mit dem Aufgebot höchster Kraft wurden alle 
Wände und Pfeiler des gewaltigen Werkes um den Backsteinkern mit 
lilarmor bekleidet; alle Wölbungen aber, die fünf Kuppeln, die drei 
Apsiden, die sämrntlichen Tonnengewölbe und Gurtbögen mit Mosaiken 
umhüllt. An der Ausführung dieses ungeheuren Gesammtdenkmals der 
venezianischen Kunst, des Palladiums der unter dem Schutze des h. Mar- 
cus stehenden Republik, hat das ganze Mittelalter zu thun gehabt, und 
selbst Tizian und seine Schule fand noch Gelegenheit, dabei mitzu- 
wirken. 
Ursprünglich waren es Maler und Mosaicisten aus Byzanz, welche 
man in solcher Zahl berief, dass sie dauernd eine eigene Corporation 
in Venedig bildeten, neben welcher erst spät eine einheimische Maler- 
gilde aufkommt. Der Einfluss dieser Byzantiner, welche die ausge- 
bildete, fertige Kunst ihrer Heimath und die volle technische Routine 
mitbrachten, War so stark und nachhaltig, dass die venezianische Malerei 
bis tief in's 14. Jahrhundert seine Spuren zeigt. Der kolossale, eine 
Flache von über 40,000 Quadratfuss bedeckende Bilderschmuck war 
nach einem Wohl durchdachten Plan angelegt. In der oifnen Vorhalle, 
Welche nach drei Seiten den Bau umzieht, sind es Geschichten des 
alten Testamentes, die auf das Innere vorbereiten: Arbeiten eines der- 
beren naiven Charakters, am wenigsten byzantinisirend,"vielleicht erst 
im 13. Jahrhundert. ausgeführt. Im Innern breitet sich sodann das
        

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