Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264713
Buch. 
Mittelalter. 
Das 
die Madonna und viele andre Heilige. Auch hier herrscht der byzan-- 
tinische Typus, aber untermischt mit den Reminiscenzen klassischer 
Kunst. 
Um dieselbe Zeit entstand als dritter Cyclus, und zwar als ein 
trotz mancher Herstellungen doch im Ganzen wohlerhaltener, der 
musivische Schmuck der Palastkapelle zu Palermo. Hier ist die 
ganze Architektur in Farbe aufgelöst, selbst die Gliederungen sind mit 
Mosaiken überzogen, als wäre Alles mit Teppichen gepolstert. Durch 
spätere Ümbauung ist das ursprünglich reichere Licht so spärlich ge- 
worden, dass man zuerst beim Eintreten wie von tiefer Nacht sich 
hmfangen wähnt. Erst allmählich, wenn das Auge sich an das Dunkel 
gewöhnt hat, tauchen aus der goldschimmernden Finsterniss Gestalten 
und Bilder auf, über Welche die Lichtreflexe des Goldgrundes ihren 
Verklärenden Schimmer werfen. Der Gesammteindruck ist von einer 
kaum irgendwo wieder erreichten Feierlichkeit. Der ganze musivische 
Schmuck zeugt von einer wohldurchdachten künstlerischen Anordnung. 
(Fig. 29.) An den unteren Theilen der Wände, die mit weissen 
Marmorplatten bekleidet sind, beginnt das Mosaik als bescheidene Ein- 
rahmung der Flächen, aber in den reichsten Mustern, dazwischen ab- 
wechselnd runde oder viereckige Porphyrplatten eingelassen, ähnlich 
mit musivischen Bändern eingefasst. Den Abschluss dieser Dekoration 
nach oben bildet das bekannte zinnenartige maurische Ornament in 
reichster Mannigfaltigkeit farbiger Muster. Hier wie in der gesammten 
Dekoration herrscht das Gesetz rhythmischer Abwechselung und Wieder- 
holung. 
Die oberen Theile der Wände und die Gewölbe sind völlig mit 
musivischen Bildern bedeckt, welche ohne jede architektonische Ein- 
rahmung nur durch horizontale Bänder getrennt werden. Die Dar- 
stellimgen im Presbyterium sind noch völlig byzantinisch, starr und 
trocken behandelt; dagegen sind die Bilder an den Schiffwänden von 
einem eigenthümlichen neuen Leben erfüllt. Die Farbenwirkung ist, 
soweit sie nicht durch Wiederherstellungen beeinträchtigt wurde, von 
grosser Milde, Klarheit und Harmonie. An der westlichen Schlusswand 
über dem prachtvollen königlichen Throne ist der segnende Christus 
dargestellt, eine bedeutende würdevolle Figur, umgeben von Petrus 
und Paulus. Hier tritt mehr eine allgemeine Nachwirkung der Antike 
hervor. An den Oberwänden des Mittelschiffes sieht man Scenen des 
alten Testaments, die sich auf die Erscheinung Christi beziehen. In 
den Seitenschiffen die Geschichte Petri und Pauli, der Schutzpatrone
        

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