Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264696
Buch. 
Mittelalter. 
Das 
und die klugen Jungfrauen zu erkennen hat, ist sehr zweifelhaft. 
(Fig. 28.) 
Während hier aus der byzantinischen Üeberlieferung ein neues 
Lebensgefühl sich zu Tage ringt, sollte die Kunst von Byzanz noch 
einmal in ganzerPrachtentfaltung, ehe sie überhaupt vom Schauplatz 
abtrat, sich in Italien darstellen. Dies geschah an den beiden ent- 
gegengesetzten Punkten des Landes zu gleicher Zeit und in höchstem 
monumentalem Sinn: auf Sicilien und in Venedig. Was zunächst 
Sicilien betrifft, so war dies gesegnete Eiland bis in's 9. Jahr- 
hundert, wo es in die Hände der Araber fiel, unter byzantinischer 
Herrschaft geblieben. Nach der saracenischen Eroberung erhielt es 
einen Zusatz von maurischen Bewohnern, so dass die Bevölkerung aus 
griechischen und muhamedanischen Elementen gemischt war. Als dann 
der Normannenherzog Roger, Robert Guiscard's Bruder, im Ausgange 
des 11. Jahrhunderts von Unteritalien aus die schieksalreiche Insel 
unterwarf und ein eigenes Königreich dort begründete, kamen zwar 
wohl einzelne nordische Einflüsse hinzu, im Kirchenbau z. B. die 
doppelthürmigen Facaden, welche der Süden sonst nicht kennt: aber 
im Wesentlichen zeigte die Kultur und vor Allem die Kunstübung 
eine Mischung byzantinischer und maurischer Elemente. Dazu kam 
aus den antiken Denkmälern des Landes die Verwendung prachtvoller 
Säulen und die Vorliebe für Marmor-Incrustation, so dass aus allen 
diesen Bestandtheilen sich Kunstwerke aufbauten, in welchen der strenge 
feierliche Ernst altchristlichen Basilikenbaucs durch üppigste Pracht- 
entfaltung gemildert wird. Die Kirche der Martorana zu Palermo, die 
weihevoll mystische Palastkapelle daselbst, sowie die Dome von Cefalü 
und Monreale, endlich der im Innern freilich vollständig modernisirte 
Dom von Palermo sind die hervorragendsten Schöpfungen dieses Stiles. 
Neben der Marmorpraeht der Säulen, der Fussböden und der 
Wandvertäfelungen spielt nun bei Ausstattung dieser Kirchen die Mosaik- 
malerei eine grosse Rolle. Bauten wie die Martorana, die Capella 
Palatina zu Palermo, der Dom zu Monreale gewähren mit der voll- 
ständig erhaltenen musivischen Incrustation gegenwärtig die einzigen 
Beispiele, an denen man nach den vielfachen Zerstörungen, welche die 
Denkmäler Roms und selbst Ravennafs erlitten haben, sich eine Vor- 
stellung von derharmonischen, feierlichen Pracht altchristlicher Basiliken 
machen kann. Der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gehören die 
Capella Palatina (erbaut unter König Roger II. von 1129-4140), 
die Martorana, die Stiftung des Grossadmirals Georg von Antiochia
        

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