Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1259701
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1260511
Epoche von 1600 bis 1690. 
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ist, so traut diese vollends sehr entschieden bei den Malern ein, 
welche in der zweiten Hälfte des 17'. Jahrhunderts blühten. In 
Antwerpen war der namhafteste Maler dieser Zeit Jan Erasmus 
Quellinus, ein Sohn des früher erwähnten Erasmus, Welcher 
1634 geboren, 1715 (i) starb, und durch einen Besuch von Italien, 
namentlich durch das Studium des Paolo Veronese, mit vielem' Ge- 
schick weitläuftige Compositionen von grossem Umfang behandelte. 
Doch ist er wenig ansprechend im Gefühl und seine Färbung, ob- 
wohl sehr kräftig, zeigt durch den kalten, schwerbraunen Ton, 
dass die Schule einen ihrer Hauptvorziige, die warme, klare Farbe, 
eingebüsst hat. Zwei Hauptbilder von ihm sind, die Krönung Karl V. 
zum römischen Kaiser durch den Papst Clemens VII. in der Gallerie 
zu Wien, worin man besonders deutlich jenen EinHuss der ve- 
nezianischen Schule wahrnimmt, und die sehr reiche Composition 
des Teiches Bethesda im Museum zu Antwerpen, N0. 419. Der 
Kunstwerth dieser letzteren ist indess ungleich geringer. 
In Brügge war die Schule noch ziemlich spät nicht unwürdig 
durch Jacob van Oost den älteren, geboren 1600, gestorben 
1674, vertreten. Obwohl er während seines Aufenthalts in Italien 
einen entschiedenen Einfluss des Annibale Carracci erfahren hatte, 
gewahrt man doch, sowohl in der realistischen Auffassung, als na- 
mentlich in der warmen, klaren und-kräftigen Färbung, welche 
bald an C. de Crayer, bald an van Dyck erinnert, dass er im 
Wesentlichen der Vaterländischen Schule treu geblieben ist. Unter 
den verschiedenen Bildern von ihm, welche sich in den Kirchen zu 
Brügge befinden, zeichnen sich besonders die 1648 ausgeführte 
Darstellung der Maria im Tempel auf einem Altar in der Kirche 
St. Jacques, und die halben Figuren von Petrus und Paulus in 
einer Familienkapelle der Kirche St. Sauveur aus. Er malte auch 
gelegentlich vortreffliche Portraite. 
Zu derselben Zeit brachte Brüssel in dem, im Jahr 1602 ge- 
borenen, Philipp de Champaigne einen ungleich berühmtereu 
Künstler hervor. Obwohl er schon mit neunzehn Jahren nach Paris 
ging, dort einen Starken Eillüuss der französischen Schule empfing 
und vor seinemfim Jahr 1674 erfolgten, Tode nur noch einmal, 
nämlich im Jahr 1627, auf einige Zeit nach Brüssel zurückkehrte, 
scheint es doch unbillig ihn der niederländischen Schule zu ent- 
ziehen. Einmal war sein Hauptmeister der Landschaftsmaler Jan 
Waagen, Handb. d. Malerei. II. 4
        

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